5 Jul, 2022

keep on rolling

Mit 61 beginnt mein Leben

Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich musste 61 Jahre alt werden, damit ich endlich mal was für mich tun kann und wann und wie ich reisen will nun endlich durchführen kann.

Mit 17 (1978, Geburt 1979) bekam ich meine 1. Tochter, zwei Jahre später meine 2. Tochter. Es folgten 1991 mein Sohn, 1981 erneut eine Tochter und zum krönenden Abschluss 1999 meine Nesthäkchen. Roundabout also 20 Jahre lang immer wieder Geburten und wenn man die Erziehung der letzten Tochter mit hinzuzählt, dann war ich 38 Jahre mit Kindererziehung und natürlich auch mit deren Versorgung beschäftigt.

Es versteht sich somit von alleine, dass da wenig Zeit und Geld für mich selbst blieb. 2016 entdeckte ich dann doch tatsächlich mein eigenes Leben, wobei ich zu diesem Zeitpunkt nicht einfach die Kinder auf die Seite stellen konnte. Es war tatsächlich ein Abnabelungsprozess, der allen Beteiligten vieles abverlangte.

Nun also plane ich meinen 1. Freiheitstrip; losgelöst von allen Zwängen, denen man so im normalen Leben Leben unterliegt.

Konkret wurde es dann kurz vor Covid19, als ich beschloss 400 km mit einem Rollstuhl über die Alpen zu gehen. Und je länger es dauert, um so sehnsuchtsvoller wird dieser Wunsch. Es gibt kaum ein Video, Film oder Dokumentation, die ich über Norditalien und Südtirol nicht gesehen habe und immer beginne ich von innen heraus zu leuchten. Vorfreude scheint doch die schönste Freude zu sein!

Im August 2022 soll es losgehen; im August werde ich aber auch 61 Jahre alt. Als meine Planung begann, war ich im Vergleich zu heute noch relativ fit. Inzwischen sind ein paar gesundheitliche Probleme hinzu gekommen, aber ich sage mir, wenn nicht jetzt, wann dann?

Mein Rollstuhl ist ein ganz normaler eRollstuhl mit 6 km/h und eigentlich nur für Innenstädte geeignet. Da ich die finanziellen Mittel nicht aufgebracht habe, um mir einen Outdoor Rollstuhl zu zulegen, musste ich meine Planungen etwas ändern.

Seit Mai 2022 habe ich wieder ein Auto. Mein Renault Megane Grandtour tdi konnte ich günstig erwerben. So ein Schnäppchen hat natürlich seine Macken, die ich für 500 € in der Werkstatt meines Vertrauens beheben lassen konnte. Zusätzlich habe ich ihn noch etwas modifiziert, da er auf meiner Reise, für mich und Chewie unser Zuhause sein wird. In einem Heckzelt wird mein eRolli nachts auch trocken stehen und die aufblasbaren Matratzen für den Rücksitz mussten angeschafft werden. Eine übergroße Dachbox bietet Platz für allerlei Krempel, um sich unterwegs überwiegend selbst versorgen zu können.

Geplant sind 21 Tage. Übernachtungen werde ich hoffentlich auf Bauernhöfe oder unter Pferdemenschen finden, denn nur so wird mein Budget auch ausreichen, um Anfang September nach Berlin zurückzukehren.

Ich werde mir also einen tägliche neuen Stellplatz suchen und von dort aus die Umgebung erkunden, soweit mein eRolli die Wege auch bewältigen kann.

Außerdem werde ich meine Ausflüge posten, um anderen Rollstuhlfahrer praktisch den Weg zu ebenen und ihnen Mut zu machen, ebenfalls alleine solche Abenteuer anzugehen.

Es gibt einige Links von Communities, die auf Rollifahrer ausgerichtet sind; jedoch finde ich, dass deren getestete Wegstrecken immer nur die Hauptsehenswürdigkeiten beinhalten und wenig Strecken aufzeichnen, auf denen man auch schon mal an seine Grenzen stößt.

Da ich alleine, nur mit meinem Hund Chewie, unterwegs bin, sind meine Strecken vor allem für Rollifahrer*Innen geeignet, die auch mal Gegenden durchforsten möchten, die in keinem Reiseführer stehen.

Ich hoffe das ich in Zukunft noch ein paar mehr Touren mache und allen Rollifahrer*Innen es mir gleich tun und dafür meine Dokumentationen behilflich sein werden.

Also keep on rolling

400 km von Füssen zum Gardasee in 21 Tagen auf Wegen, die in keinem Reiseführer für Rollifahrer stehen! Man könnte auch auch sagen ich bin ein eRolliRebell!

22 Jun, 2022

Ready to takeoff

2022 wird das Jahr sein, in dem ich im August zum Gardasee gehen werde. Ehrlich gesagt weiß ich nach all den Fehlversuchen wieder mal nicht, wie und mit welcher Mobilitätshilfe ich gehen werde, aber ich werde es wagen und einfach mal losgehen/losrollern.

Meine Sehnsucht nach Südtirol und Italien ist so groß, das ich es einfach jetzt machen muss. Mein gesundheitlicher Zustand ist desolat, aber was solls …Jetzt oder nie!

Ich werde also nach dem 20. Juli 2022 von Berlin aus in Richtung „Dad“ ins Allgäu aufbrechen. Mit dabei werden Boris, mein weißer Schäferhund, Chewie, die Fußhupe, mein Klappi und alle Dinge für mein Abenteuer sein und ganz wichtig mein ErgoFlix.

Die Hersteller haben mir von dieser Reise mit dem ErgoFlix abgeraten …ich werde es trotzdem versuchen.

Ich habe mir eine sehr große Dachbox besorgt, in der ich viel unterbringen kann, so dass ich den Innenraum des PKWs für Boris, Chewie und meiner Wenigkeit frei halten kann.

Der Klappi wird bei Dad stehen bleiben. Es wird das Zuhause für Boris, der aufgrund seines Alters nicht mit kann und deshalb bei Dad bleibt.

Ich werde mit Chewie meine Reise beginnen. Geplant ist ab Füssen täglich soviele Kilometer zu machen, wie die Akkus meines eRollis schaffen. Ich rechne mit 20-30 km pro Tag. Mein Optimismus ist kaum zu bremsen! Übernachten werde ich in meinem Auto, mit einem Heckzelt und offener Heckklappe. Mein eRolli wird also trocken stehen. Meine Übernachtungsplätze hoffe ich auf Reiterhöfe oder kleinen Hütten machen zu können. Au0ßerdem hoffe ich dort jeweils auf Menschen zu treffen, die mit nachts nicht nur Strom zum Laden meiner Akkus geben, sondern zusätzlich mir meinen PKW 20-25 km weiter an den neuen Übernachtungsplatz fahren.

Es wird Streckenabschnitte geben, die ich mit dem eRolli tatsächlich nicht fahren kann. Diese Strecken werde ich mit dem PKW umfahren und mir an diesen Tagen die Gegend genauer anschauen.

Entlang der Via Claudia Augusta gibt es viel Dinge zu entdecken. Die Komoot-App auf meinem Handy wird mit täglich Aufschluss darüber geben, was mich erwartet. Sollte dennoch mal eine Strecke für mich nicht zu bewältigen sein, kann ich jeder Zeit zurückfahren und am nächsten Tag die neue Tagesstrecke angehen. Flexibilität ist wohl dringend von Nöten auf meiner Reise!

Auf diese Weise werde ich mich Schritt für Schritt dem Gardasee nähern. Geplant sind 3 Wochen für 400 km.

Ich werde also irgendwann im August am Gardasee ankommen. Damit ihr alle meine abenteuerliche Reise verfolgen könnt, werde ich auf der Plattform von Komoot meine Wege und Teilabschnitte dokumentieren. Ihr habt da auch die Möglichkeit für Kommentare und ich kann euch jetzt schon sagen, ich werde mich über jeden einzelnen freuen, denn ich glaube, an manchen Tagen benötige ich echte Motivationen.

Wie gesagt, begleiten wird mich nur Chewie. Ich hoffe, dass seine krummen Beine die 400 km schadlos überstehen.

Chewie, Sohn von Yohda *17.01.2021

Bin mir nicht ganz sicher, ob Chewie die ganze Aktion so richtig toll finden wird, da seine Lieblingsbeschäftigung TV schauen ist. Da er jedoch noch sehr jung ist und obendrein auch etwas hyperaktiv, wenn er mal sein Bett verlässt, hoffe ich, dass er neue Lieblingsbeschäftigungen, nämlich Alpenüberquerungen, entdeckt. Er ist ein sehr aufgeschlossener, völlig angstfreier Hund und wenn seine überaus krummen Beine nicht mehr wollen, dann wird er eben auf meinem Schoß sitzend den Weg mit mir rollern!

4 Mai, 2022

Meine Reise zu meinem Dad in’s Allgäu

Die Fahrt

Was soll ich euch sagen, ich habe eine kleine Reise gemacht zu meinem Dad ins Allgäu. Ich war gespannt auf die Alpen und die Luft dort, soll ja gut bei COPD sein und ich hoffte auch was zu spüren, also das ich besser durchatmen kann.

Die Fahrt begann um 3:15 in der Nacht. Das Auto war bereits gepackt. Ich trat vors Haus und was sehe ich….der Bauwagen der Parkranger brannte lichterlos. Dieser steht ca. 10 m vom Haus entfernt, direkt neben dem Häuschen in dem die Stromverteilung der Häuser ist.

Ich also ans Telefon, Feuerwehr rufen. Soweit so gut…sie wollten gleich da sein; ich solle warten!

25 Min. später 2. Anruf zur Feuerwehr …. unglaublich und auch die Polizei hatte es nicht eilig.

Dann endlich kamen sie, inzwischen kurz vor 4 Uhr nachts; von der Polizei weit und breit nichts zu sehen.

Ich bin dann mal los, Richtung Allgäu vor mir lagen immerhin 8 Std. Fahrt.

Nach 5 Stunden völlig erschöpft, Rast auf einem Parkplatz. Nach nur 2 Min. schrecke ich hoch. Der Parkplatz lag an einer ICE Strecke und alle 8 Minuten kam ein Zug vorbei.

50 km weiter, immer noch saumüde, nächster Parkplatz, kein Stellplatz im Schatten. Boris hechelt wie blöd…..

Nächster Parkplatz….50-70 km weiter endlich auch Schatten….Hunde tränken und dann mal eine Mütze Schlaf …..keine 10 Minuten Ruhe und mein Telefon klingelt ….mit einem Auge schau ich aufs Display ….Marilyn ….ich geh ran und sie sagt: “ Hallo Mama, bist du schon weg? Ich brauch dringend eine Mehrfachsteckdose!“ Ich atme tief durch und antworte: “ Dann geh dir eine kaufen!“ Sie dann so: „Aber warum soll ich eine kaufen, wenn du so viele hast, ich komm vorbei!“ Ich dann: „Bin schon weg und versuche ein wenig zu schlafen! Marilyn wieder: „Och das ist blöd, kannst du nicht schnell noch mal zurückkommen?“ Ich wieder völlig entnervt: „Nee kann ich nicht und außerdem will ich kurz schlafen. Geh und kauf dir eine Steckdose! Ende jetzt! Anruf beendet!

Mit schlafen war dann nichts mehr. Ich also weiter wieder so um die 50-70 km. Erneuter Versuch eine Stunde zu schlafen. Kaum ruht mein Kopf in halbsitzender Haltung klingelt das Handy…ich fluche kurz und mein Handy sagt: „Eingehender Anruf von Daddy!“ Ich geh ran und Daddy fragt freundlich: “ Na wo bist du denn schon?“ Ich darauf: „Warte ich frag meine Handy!“ und mein Handy sagt: „Landsberg/Lech in 7 km. Darauf mein Dad: „Na die 15 km schaffst du auch noch. Ich mach schon mal ein Kaffee!“ und dann legt er auf und ich sitze, halb liegend und überlege kurz wie viele 50-70 km Stopps man hinlegen muss, um letztendlich nahezu vor Daddy Tür zu stehen.

Plötzlich war meine Müdigkeit wie weggeblasen und 15 km motivierten mich wie doll!

20 Minuten später parkte ich vor seinem Haus, die Hunde durften raus und mein Kaffe stand bereits duftend auf einem Holzstapel. Nach 18 Jahren stand Daddy vor mir; breit grinsend und irgendwie waren wir beide in diesem Moment sehr glücklich.

Die Berge

Das was man im Allgäu erwartet ist …. richtig die nahen Berge und das man z.B. von Kaufbeuren aus, sie schon sehen kann, weil … wieder richtig, die Berge so groß sind!

Ich kam bei Sonnenschein an und man konnte sie durch ein wenig Nebel bereits sehen. Aber voller Erwartung freute ich mich auf den übernächsten Tag, an dem wir nach Tirol / Österreich wollten. Da sollte ich den Bergen sehr nah kommen … dachte ich!

Am nächsten Tag immer noch Sonne, nahezu 20 Grad. Die Berge mit Schleier zu sehen … ich freute mich auf den nächsten Tag!

Nächster Tag! Nieselregen! Berge verschwunden! Außer Wolken nichts zu sehen. Ab nach Österreich!

In Österreich … Wolken … nix wie Wolken … ich habe unzählige Wolken fotografiert ….hier das Ergebnis meines Ausfluges

Reutten / Österreich
Oben Wolken … unten Wolken … nix wie Wolken … ich will nach Hause!

24 Apr, 2022

Alte Römerstrasse via Claudia Augusta

Quelle

Wenn man bedenkt wie alt diese Strasse ist, erzeugt es schon etwas Ehrfurcht in mir.

Auf meiner interaktiven Karte habe ich mir den Streckenverlauf dieser römischen Strasse durch die Alpen abgesehen und sie als „machbar“ eingestuft.

Wie man in der Legende sieht ist die Gesamtstrecke 409 km lang und ich habe bei der Berechnung ein Tagesziel von ca. 30 km Tagesstrecke angegeben. Ich denke mit einem Rollstuhl müssten 30 km täglich zu schaffen sein. Dies bedeutet, dass ich ca. 2 Wochen für die Strecke benötigen würde.

Es wäre nun mal an der Zeit mir zu überlegen, ob ich alleine reisen möchte, wo und wie ich übernachten möchte, ob ich nun nur mit Chewie gehe oder ob ich mir tatsächlich noch ein Pferd, Muli oder Esel suche.

Ich bin hin und her gerissen, zwischen all den Möglichkeiten und kann mich nicht so recht entscheiden. Alle Optionen haben eben neben den Vorteilen auch Nachteile. Mit Pferd wird es viel schwerer werden, Unterkünfte zu finden; andererseits kann mich so ein Vierbeiner auch mal ziehen, wenn meinem Akku die Luft ausgeht. Ein weiter Punkt liegt eher im emotionalen bei mir. Sollte mir tatsächlich irgendjemand einen Vierbeiner zur Verfügung stellen und ich dann eben 2 Wochen lang mit diesem Tier durch die Alpen roller, bin ich danach wirklich bereit ihn wieder zurückzugeben?

14 Tage Zusammensein heißt eben auch 14 x 24 Std. Abenteuer; gemeinsame Erlebnisse, Problemüberwindung und Annäherung. Die größte Entscheidung, die ich jetzt treffen muss, ist eben nicht einfach mit oder ohne Pferd, sondern vielmehr bin ich bereit die Konsequenzen aus diesen 14 Tagen mit dem Pferd zu tragen?

  1. Wäre ich bereit es danach wieder abzugeben?
  2. Wäre ich bereit mit meinem sehr beschränkten monatlichen Budget auch danach die Kosten für ein Pferd zu tragen, bzw. dafür auch Berlin zu verlassen um mit meinem Pferd an einem Ort zu leben, wo es uns allen gutgehen kann?

Boah, mein Plan sah zu Beginn einfach nur den Weg über die Alpen bis zum Gardasee vor. Und jetzt entwickelt sich eine Grundsatzentscheidung daraus!

Grundsätzlich ist es schon schwer genug, um mit einem Rollstuhl die Alpen zu überqueren. Das Zubehör dafür habe ich ja nun auch noch nicht und scheinbar bekomme ich auch nirgend Hilfe dafür. Für mich könnte es DIE Reise meines Lebens werden, gerade deshalb, weil ich nun nicht einfach laufend die Strecke bewältigen kann. Für alle Menschen, die ich angesprochen habe und um Hilfe gebeten habe, scheint es NIX zu sein. Niemand hat wirklich begriffen, wie wichtig mir diese Reise ist!

6 Okt, 2021

Trek of indian hearts

Ein Herzensprojekt vom ersten Augenblick an

Noch sind die Planwagen leer, aber in den nächsten Monaten werden sie sich füllen und mit starken Pferden bestückt werden, um den Treck der indian hearts zu beginnen.
Sie werden mir und Odd’L folgen auf dem Weg über die Alpen bis zum Gardasee!


Für manche wird es vielleicht die letzte Reise sein, aber was spielt das schon für eine Rolle, in Anbetracht der Tatsache das mit dieser Reise Herzenswünsche in Erfüllung gegangen sind.

Wenn atemberaubende Ausblicke, Stille Augenblicke am Lagerfeuer und jeder Meter des Weges die Seele und das Herz jedes Einzelnen erfüllen wird? Wenn Natur, grenzenlose Freiheit und das Bewusstsein das jeder von uns ein Teil dieser Erde ist, von uns Besitz nimmt und die Sorgen des Alltags nur mühsam hinter unserem Trek der Herzen Schritt halten können, dann ist das wohl genau die Lebensphilosophie, nach dem wir alle streben sollten, denn sie ist frei von Hass, Anfeindungen und Verleugnung.


Bei dem Trek der indian hearts geht es um das Wesentliche im Leben. Nicht jeder wird es finden, aber der Versuch ist es auf jeden Fall wert;

Meldet euch, um mich und Odd’L zu begleiten! Träumt nicht länger, meldet euch und damit ist der 1.Schritt bereits getan. Meldet euch auch dann, wenn ihr weder Pferd noch Kutschen oder Planwagen habt!
Open range…für alle Bereiche!

und bitte erzählt allen Leuten, die ihr kennt von uns und unserem Vorhaben. Jeder, aber auch jeder soll die Chance bekommen ein Stück des Weges mit uns zu gehen!

in diesem Sinne….wir sehen uns auf dem Trek der Indianischen Herzen!

19 Sep, 2021

650 km bis zum Gardasee

Boah wenn ich die Zahl 650 so sehe, wird mir echt etwas gruselig. 650 km sind schon ziemlich weit. Naja ich werde die 650 km in 42 Tagen reiten, sprich also 1,5 Monaten; auch ganz schon lang, aber machbar. Das sind roundabout 15 km am Tag. Tja wenn man so auf den kleinesten Nenner runterbricht, scheint es so gar nicht mehr bedrohlich. Ach Quatsch, es ist überhaupt nicht bedrohlich, oder gar gefährlich, behaupte zumindest ich. Meine Ärzte sind da anderer Meinung, denn ich muss definitiv über die Alpen, also wenn ich es tatsächlich schaffe, dürft ihr alle hinterher Hannibalin zu mir sagen. Ich werde also mehrere Tage in der Höhe von mindestens 2500 üNN sein. Ob das meiner ohnehin desolaten Sauerstoffsättigung so gut tut, kann ich jetzt nicht sagen, aber wenn ich es nicht versuche, werde ich es nicht rausfinden können. Ich bin zuversichtlich, weil ich immer positiv denke und dieser Weg zum Gardasee ist eigentlich nur positiv, weil ich mir damit einen Traum erfülle.

Eigentlich wollte ich mit einem T4 Bulli zum Gardasee, aber irgendwie habe ich in den letzten Jahren zu diesem Thema immer die falschen Entscheidungen getroffen. Nun wurde „Hugo“ mein Bulli nach Hildesheim verkauft, die Hoffnung ihn zurück zu bekommen ist auch gestorben, was blieb ist meine Sehnsucht nach Italien.

Also nicht mehr mit dem Auto! Über Wochen hinweg rückte Italien immer weiter von mir weg. Irgendwie sah ich keinen Ausweg und als Italien fast gänzlich im Nebel zu verschwinden drohte und damit auch ein Stück meiner Zukunft, als mich Zukunftsängste packen wollten, da kam mir der rettende Gedanke: „Wenn nicht mit Hugo, dass eben mit einem Pferd!“

Dieser Gedanke war vom ersten Augenblick so konkret, dass ich nicht einmal realisierte, das ich kein Pferd hatte!

Es gibt Momente in meinem Leben, da hab ich so bekloppte Ideen, das ich es teils selbst nicht glauben kann, dass ich genau das gerade denke.

Vielleicht sollte ich genau an dieser Stelle nun berichten, dass mein aktueller gesundheitlicher Zustand …………na sagen wir nicht gerade zu sportlichen Hochleistungen, wie z.B. einen Ritt über die Alpen, geeignet ist…..man könnte auch sagen, wenn man nicht mehr als 200m zu Fuß schafft…..sollte man besser die Beine und die Kraft eines Pferdes nutzen, um sich fortzubewegen….smile….oder?

Und genau, das werde ich tun! Ich werde die Kraft, Energie und die Beweglichkeit eines Pferdes nutzen, um diesen Weg zu bewältigen.

Es ist nur ein Weg von A nach B, sprich von Pullman City Bayern, Eging am See bis zum Gardasee. Ok ich teile die Bedenken meiner Kritiker, es liegen die Alpen dazwischen, ABER …es ist und bleibt nur ein Weg!

Um diesen Weg bewältigen zu können, brauche ich Hilfe, alleine schaffe ich es nicht und wieder vertraue ich auf Menschen, die Pferde mögen, die Abenteuer toll finden, die meinen Mut bewundern, die sich Zeit für mich nehmen und mich ein Stück des Weges begleiten, mir eine Unterkunft geben, auf meinem Weg, die sich freuen mich kennenzulernen, die ich kennenlernen darf, ja die mich förmlich zum Gardasee tragen, mit ihrer Motivation, ihren Glauben, das man auch das Unmöglichste schaffen kann, wenn man es zusammen tut.

Ich glaube ganz fest daran, dass es genügend Menschen gibt,

die mir helfen werden, diesen Weg gehen zu können!

Winni 19.09.2021