8 Dez, 2021

Selbstbeschreibung aus 2012 …stimmt irgendwie immer noch!

Ich bin wie ich bin!

hört sich im ersten Moment sehr einfach an, aber über Jahrzehnte sich selbst treu zu bleiben ist verdammt schwer und es kommen immer wieder Zweifel in einem hoch, ob es nicht doch die Art & Weise der Eigenvermarktung ist, die einem immer wieder an seine Grenzen führt.

Zwei meiner Kinder haben mir deshalb die Freundschaft gekündigt….

Update 2021: vier meiner Kinder haben mir die Freundschaft gekündigt; eine davon findet mich sogar toxisch…ups… irgendwie höre ich dabei die Stimme ihres Vaters!

  • die Eine kann nicht akzeptieren, das ich nicht erwachsen werden will und auch heute noch, mit über 50 Jahren meinen eigen Klamottenstyle hartnäckig verteidige…
  • Die Andere hat sich von der ersten Meinung anstecken lassen und füllt sich verlassen und vernachlässigt…für sie bin ich toxisch, was immer das auch heißen mag.
  • Eine weitere durfte mich erst gar nicht kennenlernen…lange Geschichte an der meine Mutter maßgeblich beteiligt war.
  • Und 4 Kind ist aktuell so sehr hormongesteuert, dass eine tatsächliche Kommunikation bereits am Ohreneingang jäh gestoppt wird und erst gar nicht in die eigentlichen Gehirnregionen vordringen kann.

Alle haben irgendwie recht und dann doch wieder nicht, denn alle vergessen bei ihren Aussagen über mich, dass ich nicht nur ausschließlich Mutter bin, sondern auch ein eigenständiger Mensch mit eigenen Bedürfnissen, die ich nahezu 32 Jahre lang unbeachtet gelassen habe. Natürlich stellen Kinder andere Erwartungen an Eltern, als das Freunde tun, aber alleine die Tatsache daß man Mutter ist, heisst nicht das ab dem Zeitpunkt der 1. Geburt ein selbstbestimmtes Leben bis zum Tod ausgeschlossen wird. Alles hat seine Zeit; eigene Kindheit, Jugend, Partnerin, Ehefrau, Betrogene, Geschiedene, Alleinerziehende, Geliebte, Lebensabschnittsgefährtin (LOL), Single, Bestagerin und nun eben Junge Seniorin.

Nach der ersten Schmerzbewältigung und einem letzten Versuch den Schaden auf ein Minimum zu begrenzen, bin ich gescheitert und musste notgedrungen die Realität akzeptieren. Hab ich jetzt getan; zieht aber auch Folgen für die Kinder nach sich, was sie erneut brutal kommentieren, weil ihre emotionale Erpressung aufgeflogen ist und sie der Meinung sind, dass Angriff die beste Verteidigung ist!

Ich habe mich selten der Realität gebeugt, bin definitiv nicht demütig im eigentlichen Sinne, aber deshalb nicht weniger liebenswert. Es gibt Menschen in meinem engeren Umfeld, die genau das am mir mögen; mehr noch die mich dafür sogar lieben! Überhaupt schenkt einem das Leben immer mal wieder Menschen, die viel wertvoller sind, als jede bucklige Verwandtschaft

Nun bin ich 50 (Update 2021: 60) und die Wahrheit ist, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nun ICH bin und das auch ganz bewusst sein darf!

In den Jahren davor war ich

  • Tochter ~ nach Aussagen meiner Mutter eine Schlechte
  • Ehefrau ~ mit wenig Geduld und Verständnis für Unzulänglichkeiten
  • Mutter ~ das Hilfesyndrom hat immer noch nicht aufgehört und scheint mir ein Charakterzug geworden zu sein
  • Unternehmerin ~ noch das Beste an all den Herausforderungen, weil da bekam ich wenigsten Bestätigung und Anerkennung.

Ich war immer auf dem Sprung, immer bereit wie eine Löwin für meine Ziele und Herausforderungen, ohne Nachdenken, zu kämpfen. Menschen, die mir am Herzen lagen oder immer noch liegen, können sich blind auf mich verlassen und Solidarität & Loyalität sind für mich Dinge, die nicht nur angepriesen werden wollen, sondern täglich gelebt werden müssen.

Nun also, seit 2010 darf ich endlich ICH sein!

Zu Beginn, dieser Lebensphase, war ich denn doch etwas erschrocken über all die Freiheiten, die man dabei genießen kann. In manchen Situationen fühlte ich mich auch total überfordert und wollte am liebsten zurück unter meine Tarnkappe, die mir meine Mutter, meine Ehemänner, meine Kinder und nicht zuletzt auch meine Geschäftspartner immer schön aufgesetzt haben, weil es war ja so bequem eine Chaosmanagerin im Hintergrund zu haben, der man sich weder rechtfertigen musste, noch sich groß mit ihr auseinandersetzen müsste. Ich war halt einfach da! Ich habe existiert…aber nicht gelebt… Chaos beseitigt, so manchen Großbrand gelöscht, Tränen getrocknet, Zuversicht verbreitet und Hoffnung in Dauerschleife gesät. Und bei all diesen Tätigkeiten haben Alle mich vergessen… einschließlich ich mich selbst!

Und dennoch habe ich mich unter meiner Tarnkappe weiterentwickelt. Habe nie aufgehört zu lernen. Habe immer schön meine Wahrnehmung und meine Logik gespeist und letztendlich habe ich mich damit, mit Sicherheit unbewusst, auf ein Leben ohne all die Quälgeister vorbereitet.

Ich bin wie ich!

  • Unbequem, weil ich meine eigene Meinung habe und diese auch vertrete!
  • Exentrisch, weil es ist so geil endlich tun und lassen zu können, was man will
  • Extrovertiert ~ was soll’s, wer damit nicht klar kommt, kann ja gehen
  • Kommunikativ ~ meine Rhetorik ist teilweise echt behandlungsfähig
  • meine emotionale Intelligenz ist löchrig wie ein Schweizer Käse, wobei ich befürchte, dass dieser Käse mehr Löcher wie Käse aufweist
  • Kreativ ~ manchmal muss es einfach raus. dann schreib ich, male, fotografiere, gestalte Aktfotografien, modelliere….alles nach was mir der Sinn steht. Nichts hab ich richtig gelernt und deshalb ist es auch immer laienhaft, aber es muss raus….und dann geht es mir auch wieder besser! Selbsttherapie!
  • Ich halte mich für ein Visionär ~ denn mein Denken ist immer groß, meine Ideen besetzen immer Nischen und die Tatsache, das dabei meine beiden Gehirnhälften auf Hochtouren laufen, machen die ganze Angelegenheit nicht immer schwerer.
  • UND ich widerspreche meiner Mutter ~ MAN KANN MICH LIEBEN! ….so wie ich bin! (Scheiße tut das gut, es endlich mal auszusprechen!)

weil    I c h   b i n   w i e   i c h   b i n !

10 Nov, 2021

Ein Rolli, ein Pferd und ein Hund

  1. kommt es anders, als man 2. denkt!

Das ist wohl die Überschrift von all den Ereignissen, die sich in den letzten Wochen, praktisch die Klinke in die Hand gegeben haben.

Begonnen hat es damit, dass ich von meinen Ärzten offenbart bekommen habe, dass wenn der aktuelle Krankheitsverlauf in dem aktuellen Tempo weiter geht, werde ich 2022 kaum noch selbstständig alleine laufen können.

Es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht gewusst. Schon vor über einem Jahr wurde ich darauf hingewiesen, dass die Schäden an meiner Muskulatur nicht mehr aufhaltbar sei. Nun gut, die Schmerzen sind deutlich schlimmer geworden, mein Herz, was ja auch nur ein Muskel ist, hat vor ca. 3 Monaten begonnen Faxen zu machen, meine tägliche Medikation wurde angepasst…aber ich bin ja auch ein Meister der Ignoranz und mit dieser Fähigkeit, kann man Tatsachen schrecklich gut ausblenden. Jetzt jedoch, vor ca. 3 Wochen, bekam ich es so richtig dicke und in klaren Worten vor den Latz geknallt. Ignoranz war nicht mehr!

Ich gebe zu, ich brauchte tatsächlich mehrere Tage, um mich wieder ein zu bekommen. Eine Panikattacke löste die nächste ab. Ich heute, war wütend, verzweifelt und durchlief so alle emotionellen Ebenen, die ein Mensch nur haben kann. Ich sah meine Mobilität, meine Eigenständigkeit, ja sogar meine Freiheit bedroht und drehte völlig am Rad!

Dann kam ich wieder zu mir, mein Kopf, der mehrere Tage völlig leer war, begann wieder zu arbeiten, aber bis heute sind Ängste geblieben; Verlustängste, Zukunftsängste…Lebensängste!

Ich sah eigentlich nur eine einzige Möglichkeit, um meine Zukunft zu retten. Ich musste einen Ort finden, bei Pferden, behinderten gerecht und eventuell mit der Möglichkeit dort auch mit Pferden weiter arbeiten zu können. Es gab keine Alternative, außer mit Pferden zu leben und zu arbeiten. Ich startete einen Aufruf und tatsächlich meldete sich eine junge Dame aus Sachsen. Schöner Mist, ausgerechnet Sachsen. Ich fuhr hin, sah mir alles an; die zukünftige Wohnung auf dem Reiterhof, die Umgebung, der See, das Konzept der Ranch, die Gegebenheiten und Möglichkeiten, alles super…aber dieses Paradies lag in Sachsen! Mein Kopf sagte mach es, mein Bauch sagte lass es!

Zurück in Berlin, begann ich zu recherchieren, über Sachsen, die Region nahe Polen, dem Ort insbesondere. Erforschte Infrastruktur und Wirtschaftsdaten…und und und!

Daneben holte ich Informationen über Elektrorollstühle ein, schrieb und telefonierte mit der Krankenkasse und unzähligen Produzenten von Rollstühlen.

Dann fuhr ich nach NRW, weil da eine recht vielversprechende Stute stand, was ich mir hätte sparen können und als ich wieder in Berlin angekommen war, erreichte mich eine Nachricht, von einem Züchter, den ich vor Monaten einmal angeschrieben hatte, weil er mehrere Quarter Horses hatte, die zum Verkauf standen und die alle roan waren. Ich stellte den Kontakt her und wir telefonierten … recht lange.

Ich konnte es kaum fassen, sollte ich nun tatsächlich noch ein Roan-Pferd bekommen. Bereits in den frühen 1990ig träumte ich von einem Blue-Roan-Pferd, vielleicht sogar noch mit Hancockabstammung, aber auf jeden Fall ein Valentine und nun war ich ziemlich nah dran!

Und bei aller Euphorie vergaß ich fast mein Handicap.

8 Nov, 2021

Denke und dein Pferd wird dir antworten

Es ist der helle Wahnsinn, was alles für Kurse, Workshops und Therapien für Pferde oder sollte ich besser sagen, für deren Besitzer angeboten werden.

Da werden z.B. online Erziehungskurse angeboten für traumatisierte Pferde. Der Kursleiter bekommt das Pferd nicht Mal persönlich zu sehen und der will einem Pferd seine Trauma nehmen? Ich finde es fragwürdig und ähnlich wie Esoterik in vielen Fällen eher Bauernfänger, als ernsthaftes Erlernen mit seinem Pferd zurecht zu kommen.

In den meisten Fällen geht es gar nicht um das Pferd, sondern nur darum den Besitzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gestern habe ich ein Angebot für 139€ gelesen, da wurde eine Challenge angeboten, 4 Wochen intensive Begleitung und Beratung, online, um zu lernen wie das eigene Pferd tickt!

ich bin immer wieder erstaunt darüber, das solche Angebote überhaupt Interesse erwecken und je abgedrehte die Angebote sind, umso gefragter sind sie!

Ich weiß das es HelicopterEltern gibt, aber scheinbar gibt es auch HelicopterPferdebesitzer.

Wie viele inzwischen wissen, suche ich aktuell ein Pferd für mich! Was ich alles inzwischen zu Gesicht bekommen habe, kann ich alles gar nicht in Worte packen. Die Heiligsprechung der Verkaufspferde ist zu einem wahren Sündenpfuhl der Unmöglichkeiten geworden und wer da nicht die Feinheiten zwischen den Zeilen lesen kann, wird zwangsläufig vorgeführt.

Der Kauf eines Pferdes beginnt lange bevor man tatsächlich einen Kaufvertrag unterschreibt. Man fährt 1000de von Kilometern, um ein Pferd zu treffen, nimmt sich Zeit, übernachtet noch irgendwo, um am folgenden Tag nochmals hin zu gehen, ja man investiert Zeit und Geld, um das passende Pferd zu finden.

Pferdesuche… Pferdekauf

Ich finde es ganz schrecklich, wieviel Pferde zum Verkauf stehen und ich frage schon lange nicht mehr nach den Gründen.

Pferde sind hochsensible Lebewesen, die Seele haben. Durchschnittlich wechselt ein Pferd in Deutschland, während seines Lebens 5 mal den Besitzer. Hinter dieser Tatsache frage ich mich was in den Pferdeköpfen vorgehen muss.

Und da wären wir genau an dem Punkt…wie ticken Pferde? Was denken sie? Wie denken sie? Welche Funktionen laufen tatsächlich in so einem Pferdekopf ab?

Inzwischen gibt es gute wissenschaftliche Studien darüber, die auch ein Laie gut verstehen kann, wenn er sich denn die Mühe macht, sie mal zu lesen.

Als Säugetier hat ein Pferd einen ähnlichen Gehirnaufbau wie ein Mensch, mit einer linken und einer rechten Gehirnhälfte, nur viel kleiner, aber deshalb nicht weniger leistungsfähig. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied. Die Vernetzung der beiden Gehirnhälften ist beim Menschen um ein Vielfaches dichter und enger mit Nervenbahnen verflochten. Der Austausch zwischen rechts und links geschieht sehr viel schneller, beim Menschen und kann so auch komplexere Prozesse bewältigen.

Beim Pferd geschieht der Austausch von rechter und linker Gehirnhälfte eher ruhiger, langsamer aber Pferde können kleinste Veränderungen der menschlichen Gestik lesen. Bestimmt hat jeder schon mal von Menschen gehört, die kaum sichtbare, teils unbewusste Veränderungen im menschlichen Gesichtern lesen können. Genau das können Pferde auch, aber nicht nur in unseren Gesichtern, sondern alle unsere Gestiken unseres Körpers. Damit werden sie zu wahren Hellseher und lesen auch unsere Absichten, die Guten, aber auch die Schlechten! Dies bedeutet: Pferde können in dem Augenblick unsere Absichten lesen, wenn wir es nur gedacht haben, weil der menschliche Körper, unbewusst, sich verändert, wenn wir denken.

Diese unbewussten Veränderungen unseres Körpers können aber auch bewusst durchgeführt werden. Babies kommunizieren auf diese Weise mit der Bezugsperson vom ersten Augenblick an. Mütter können meist die Gestik ihre Babies lesen und Babies lesen in den Gesichtern ihrer Bezugspersonen wie in einem offenen Buch.

Wer sich bisher die Frage gestellt hat, warum Kinder oft mit Pferden ein sehr entspanntes Miteinander und oft inniges Verhältnis haben, findet die Antwort in der Körpersprache der beiden Lebewesen. Mit der Pupertät verliert der Mensch diese Fähigkeit und als erwachsener Pferdebesitzer muss man es ganz neu lernen.

Wer das verstanden hat, als Pferdebesitzer, wird beim nächsten Stallbesuch einen ganz anderen Blick auf sein Pferd werfen, garantiert!

22 Okt, 2021

Lebensphilosophie

Meine Lebensphilosophie hat was zu tiefst romantisches. Irgendwie wurde ich im falschen Jahrtausend geboren, oder ich war schon mal im 19.Jahrhundert auf dieser Welt und wurde wiedergeboren, 1961, aber eigentlich bin ich irgendwie immer noch im 19.Jahrhundert stecken geblieben. Ich liebe die Kleidung dieser Zeit, die total romantische Vorstellung in einem Tipi leben zu können, auch wenn es für unsere Zeit, heute, völlig absurd klingt, aber ich war immer nur für kurze Zeiträume im Hier und Jetzt. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich im 19. Jahrhundert verbracht und deshalb war ich immer anders als andere und meist wurde ich in meinem Leben auch völlig falsch verstanden.

Ich bin einer der Menschen, der Dinge nur aus einem einzigen Grund hortet, um sie irgendwann zu verschenken. Ich habe schrecklichen Spaß dabei, Dinge zu verschenken, vor allem Dinge, die ich selbst gemacht habe. Es hat mir nie wirklich etwas aus gemacht, keine Reichtümer zu besitzen und auch der konstante Mangel an Geld, belastet mich nicht wirklich, solange meine Hunde täglich ihr Futter bekommen, Tierarztrechnungen bezahlt werden können und wir unsere Freiheiten auch ausleben können.

Ich bin leidenschaftlicher Camper und wer nun glaubt ich besitze einen tollen Camper der irrt! Ich besitze ein Klappzelt. Ein Zelt auf einem Anhänger, welches man aufklappen kann und dann zwei Schlafplätze hat. In ihm kann ich alles verstauen, was man für das tägliche Überleben braucht…mehr aber auch nicht und da wären wir beim nächsten Punkt meiner Lebensphilosophie, dem Besitz. Ich besitze wenig, meist sind es Dinge, die ich für meine Tiere benötige. Ich besitze einen Westernsattel und der ist mir auch sehr wichtig und Utensilien für die Hufpflege. Ich besitze Küchenutensilien, die ich beim Camping genauso benutze wie Zuhause. Ich besitze Sommer- und Winterkleidung, nicht viel, weil ich eh viel lieber in meinem Leder-Indianer-Kleid rumlaufe und ich besitze drei Hunde, die meine Seelentröster, meine Partner, meine Lieben sind und ich besitze 2 sehr enge Freundschaften zu 2 Menschen, ohne die ich mir mein Leben nicht vorstellen könnte.

Meine Lebensphilosophie ist geprägt von Freiheit, um die ich sehr kämpfen musste. Ein selbst bestimmtes Leben zu führen ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach. Man ist eingebunden in eine soziale Gesellschaft, die Menschen, die gerne die Freiheit auch leben, die uns die Demokratie schenkt, völlig missverstehen. Freiheit ist nicht nur grenzenlos hingehen zu können, wo man will, sondern bedeutet auch sagen und handeln zu können, wie man möchte, aber auch niemals andere durch die eigene Handlung zu verletzen. Freiheit bedeutet für mich, mir selber auch genug zu sein. Alleinsein nicht als Einsamkeit zu empfinden; Gesellschaft in mitten von anderen Menschen als Geschenk und nicht als Bürde zu nehmen. Menschen in ihrer unterschiedlichen Art und Weisen und ihren Kulturen verstehen zu wollen. Offen für neues zu sein und gleichzeitig das bewährte alte nicht zu verurteilen und vor allem nicht zu vergessen, woher man kommt und was einem alles auf dem Weg ins JETZT begegnet ist. Denn nur durch all die Ereignisse, Verluste, Glücksmomente und magische Augenblicke, ist man das geworden, der man heute ist. Das Leben hat einem geprägt und tut es noch…jeden Tag!

Und deshalb mag ich stille Momente am Lagerfeure, wilde Ausritte um den Kopf frei zu bekommen und Freiheit fühlen zu können. Ich mag die wenigen Dinge, die mir wichtig sind, weil sie mein Leben spiegeln.

Und ich mag die Menschen, die bereit sind mich ein Stück meines Weges zu begleiten!

8 Okt, 2021

Chewie, ein Pferd und ich

Über mich habe ich den Blogbeiträgen bereits einiges erzählt, so daß ich hier darauf verzichten möchte. Über meine tierischen Begleiter jedoch habe ich bisher wenig geschrieben und möchte dies nun an dieser Stelle nachholen.

Chewie ist ein Mischlingsgsrüde. Sein Vater ein franz. Bullimix und seine Mutter äußerlich eine Mischung eines kleinen Jack Russel und irgendwas….wie ich nun seit einigen Monaten weiß ist das „Irgendwas“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Dackel! Chewie’s Vorderbeine stehen ab Ellenbogen im 45 GradWinkel nach außen ab. Außerdem sind seine Pfoten genauso groß/lang wie sein Oberarm. Er hat im Verhältnis zu seiner Körpergröße wirklich sehr große Pfoten. Für mich steht fest, Chewie ist ein DackelMix. Nicht das ich Dackel nicht mögen würde, aber wer, wie ich nahezu dreizig Jahre so in sich ruhende Seelentröster wie weiße Schäferhunde um sich hat, für den ist das Dackelgemüt schon eine Herausforderung.

Dackel, das ist die Hundrasse, von denen Martin Rütter sagt, das sie an keinem Erdloch vorbeigehen können, ohne die Belegung zu kontrollieren. Rütter zeichnet uns ein Bild dieser Rasse, welches uns Dackel in frecher Lederjacke zeigt. Hunde voller Elan, immer aufmerksam. Sehr besitzergreifend, zeitweise sehr stur, schwierig zu erziehen aber mit viel Charme und Liebe zu ihren Menschen her ausgestattet, aber Dackel entscheiden auch selbstständig was sie tun, ob sie es tun und vorallem wann sie es tun. Mit den vorgenannten Rasseeigenschaften kann ich nahezu zu 100% behaupten…..Chewie ist ein Dackel!

Bevor ich mir ernsthafte Gedanke über Chewie’s Rasseabstammung gemacht habe, habe ich mich monatelang nur gewundert über sein Verhalten. Definitiv benahm er sich nicht wie ….. handelsübliche …. Welpen. Wenn Chewie nicht Chewie heißen würde und man ihn nach seinen Verhalten benennen würde, dann müsste man ihn „so und nicht anders“ rufen. Chewie setzte bereits mit 8 Wochen Maßstäbe. Unter anderen verbannte er seinen Vater Yohda, 2 Sek nach seinem Einzug bei uns, auf den untersten Platz der Nahrungskette. Dieser Zustand, sprich diese Herdenstruktur hat sich seitdem nicht geändert, obwohl Yohda so manchen Anlauf unternommen hat, um wieder eine Etage aufzusteigen.

Mit etwas über 3 Monaten hob Chewie beim Pinkeln sein Bein. 1 Woche später markierte er alle Stellen an denen Yohda sich ausgelassen hatte. Er markierte nicht die Stellen von Boris. Ich erklärte es damit, das er eben mit 2 ausgewachsenen Rüden zusammen lebt und es sich abgeguckt hat. Zu dieser Zeit waren beide Hoden bereits gefallen und deutlich zu erkennen. Mit guten 4 Monaten wechselte sein Gebiss innerhalb nur weniger Wochen. Denke es waren weniger wie 3 Wochen. Und mit all den frühreifen Verhalten ging es weiter. Sagte ich schon das Chewie am 17.Januar 2021 geboren wurde. Heute ist er also gerade mal 8 Monate alt, benimmt sich aber wie ein Alter. Mir wird jetzt schon ganz komisch, wenn ich an seine Pubertät denke, die müsste ja nun bald beginnen, da er ja in allen Dingen viel zu früh dran war.

Ich muss es wohl zugeben, Chewie ist ein Hund nach meinem Geschmack. Lässt man mal das Dackel Getue bei Seite ist Chewie sehr witzig, absolut solidarisch, sehr selbstständig, Entscheidungsfreudig, völlig angstfrei, mutig und verschmust. Er verknüpft gedanklich nicht nur, nein manchmal kommt es mir echt so vor, als würde er tatsächlich selbstständig denken und sich einen Plan machen. Obwohl er ganz anders als Boris ist, hat er bereits jetzt schon das Zeug, um Boris Nachfolge anzutreten. Ich glaube, wenn Chewie über roundabout 3 Monate mit mir zum Gardasee reist, wird ein Band zwischen uns entstehen, welches kaum noch zu lösen wäre.

Kommen wir nun zu dem Pferd, welches mich ja noch nicht gefunden den hat. Ich glaube es wird ein älteres Pferd sein, so 15-19 Jahre. Ich denke auch das es eine Stute sein wird, die vielleicht in ihrem Leben nicht sehr viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Vielleicht eine Zuchtstute, die wenig geritten worden ist, stattdessen viele Fohlen das leben geschenkt hat. Mit 15-19 Jahren ist sie ruhig und gelassen. Ein Pferd das sich nicht mehr über Kleinigkeiten aufregt, die aber neugierig auf mich und meine Trainingsmethoden reagiert und trotz ihres Alters noch eifrig täglich dazulernen will. Sie wird sensibel sein, um mein Handicap zu erkennen und mir helfen es auzugleichen. Im Gegenzug werde ich ihr zeigen, wie schön es ist, nur mit einem Halsring geritten zu werden. Ich werde ihr vertrauen und sie wird mich nicht enttäuschen. Ich glaube sie wird ein kleines Pferd sein. Nicht größer als 1,50m. Sie wird ein stabiles Fundament haben, vielleicht sogar etwas rundlich sein. Aufgrund ihrer geringen Größe wird sie mit der Hinterhand weit unter sich greifen können und mir damit einen angenehmen Sitz bescheren.

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6 Okt, 2021

Trek of indian hearts

Ein Herzensprojekt vom ersten Augenblick an

Noch sind die Planwagen leer, aber in den nächsten Monaten werden sie sich füllen und mit starken Pferden bestückt werden, um den Treck der indian hearts zu beginnen.
Sie werden mir und Odd’L folgen auf dem Weg über die Alpen bis zum Gardasee!


Für manche wird es vielleicht die letzte Reise sein, aber was spielt das schon für eine Rolle, in Anbetracht der Tatsache das mit dieser Reise Herzenswünsche in Erfüllung gegangen sind.

Wenn atemberaubende Ausblicke, Stille Augenblicke am Lagerfeuer und jeder Meter des Weges die Seele und das Herz jedes Einzelnen erfüllen wird? Wenn Natur, grenzenlose Freiheit und das Bewusstsein das jeder von uns ein Teil dieser Erde ist, von uns Besitz nimmt und die Sorgen des Alltags nur mühsam hinter unserem Trek der Herzen Schritt halten können, dann ist das wohl genau die Lebensphilosophie, nach dem wir alle streben sollten, denn sie ist frei von Hass, Anfeindungen und Verleugnung.


Bei dem Trek der indian hearts geht es um das Wesentliche im Leben. Nicht jeder wird es finden, aber der Versuch ist es auf jeden Fall wert;

Meldet euch, um mich und Odd’L zu begleiten! Träumt nicht länger, meldet euch und damit ist der 1.Schritt bereits getan. Meldet euch auch dann, wenn ihr weder Pferd noch Kutschen oder Planwagen habt!
Open range…für alle Bereiche!

und bitte erzählt allen Leuten, die ihr kennt von uns und unserem Vorhaben. Jeder, aber auch jeder soll die Chance bekommen ein Stück des Weges mit uns zu gehen!

in diesem Sinne….wir sehen uns auf dem Trek der Indianischen Herzen!

19 Sep, 2021

Wer bin ich?

…manchmal weiß ich es selbst nicht so richtig!

Was wahrscheinlich daran liegt, dass mir nie jemand gesagt hat, wer ich bin. Meine Herkunft ist fragwürdig; fest steht ich bin ein Besatzungskind. Meine Mutter machte mich bis zu meinem 42. Lebenjahr für ihr Leid verantwortlich, dann habe ich diese Beziehung Mutter/Kind sehr freundlich beendet. Nach 18 Jahren Schweigen ist meine Mutter am 8.3.2020 im Alter von 92 Jahren gestorben. Obwohl ich sie unentwegt vermisst habe, empfand ich nicht einmal Trauer als ich es aus Facebook erfahren habe. Ich warte immer noch darauf, das ich irgendwie ergriffen bin.

Fangen wir mit den Fakten an. In meiner Geburtsurkunde steht, dass ich am 17.08.1961 in Mittelhessen geboren wurde. Solange meine Oma mütterlicherseits lebte, hatte ich eine glückliche Kindheit. Nach deren Tod 1973 war ich den Attacken meiner Mutter hilflos ausgesetzt, aber da ich es nicht anders kannte, habe ich mich auch nie darüber beschwert. Dann aber, im Alter von 42 Jahren, sagte meine Mutter mir einen Satz, den sie schon einmal losgelassen hatte, als ich 12 Jahre alt war. Er lautete:“Für mich hast du keine Lebensberechtigung!“ Mit 12 habe ich ihn nicht verstanden. Mit 42 Jahren schon und ich zog die Konsequenz daraus und beendete das Drama, welches mir dann auch erst in voller Bandbreite bewusst wurde.

Meine ersten beiden Kinder bekam ich mit 17 und 19 Jahren. Zehn Jahre später folgten Kind 3 und 4 und weitere 6 Jahre später kam mein Nesthäkchen zur Welt. Zwischen dem 1. und der 5. Kind liegen also 20 Jahre. Kein Wunder das ich nie in Urlaub an den Gardasee fahren konnte, denn die Kinder kommen ja nicht auf die Welt und gehen kurze Zeit später aus dem Haus. Zwischen 1979 und 2014 habe ich also meine Kinder großgezogen. Ginge es nach der Rentenversicherung, respektive nach dem Gesetz der Erwerbsminderungsrente, habe ich nur geringfügige Lebensleistungen erbracht, die man in Punkte umrechnen kann. Die Wahrheit sieht jedoch etwas anders aus und ich selbst glaube, das ich sehr wohl eine Lebensleistung erbracht habe, die mir jedoch nicht angerechnet wird….jetzt wo ich alt und krank bin, weil über 32 Jahre lang habe ich auch immer selbstständig gearbeitet. Selbst & ständig, anders wäre es auch gar nicht gegangen mit Kindern im Haus und Vätern, die zum größten Teil ihrer Verpflichtungen nicht nachgekommen sind.

Egal…machen wir mal einen großen Satz in die Gegenwart. Die Kinder sind aus dem Haus, mein Einkaufswagen bei Lidl, Netto, Aldi wurde auch entlastet und nach anfänglichen Problemen, vor allem mit mir selbst, habe ich tatsächlichen für mich einen Weg gefunden, auf dem ich nicht vor Langeweile in Trübsal verfallen. Ich musste, so alleine und von allen Kindern verlassen (smile), neue Horizonte suchen und was soll ich euch sagen, ich habe sie gefunden und sie machen sogar Spaß!

Natürlich spielt bei all dem meine gesundheitliche Situation eine wesentlich Rolle. Kurze Auflistung:

COPD und ja ich rauche noch und werde auch nicht damit aufhören, denn meiner Meinung nach ist aufhören dämlicher als weiterrauchen, zumal das Kind ja bereits in den Brunnen gefallen ist und warum soll ich mich nun auch noch durch einen Entzug quälen, wenn es auch anders geht!

Konstante Sauerstoffsättigung von zwischen 85-87%, Sauerstoffunterversorgung der Muskeln und ich habe habe gelernt … man höre und staune … mein Herz ist auch nur ein Muskel und seit gut einem 3/4 Jahr beginnt es auch schon mal zu stolpern!

Diabetes Typ 2 und … und … und

Ich schreib den Mist meiner Krankheiten nicht gerne. Eigentlich ist es ja auch egal, welche Krankheiten nun genau mich zur Strecke bringen. Im Grunde genommen habe ich mein Leben gelebt und auch wenn ich heute um einiges klüger bin, ich würde es genauso und nicht anders wieder machen … weil auch viel Freude dabei war!

Da ich auch keinen kenne, der das Leben jemals überlebt hat, denke das sogar Jesus selbst gescheitet ist, ist es für mich keine Option nun mit aller Gewalt am Leben zu bleiben. Für mich ist es wichtig, dass ich solange ich noch irgendwie krauchen kann, mein Leben mit sinnvollen Aktivitäten fülle. Und mir meinen Traum zu erfüllen und zum Gardasee zu gehen/fahren/reiten ist für mich eine sinnvolle Aktivität, weil ……. die Vorbereitungen und auch die Vorfreude während der Vorbereitungen etwas Bejahrendes hat.

19 Sep, 2021

650 km bis zum Gardasee

Boah wenn ich die Zahl 650 so sehe, wird mir echt etwas gruselig. 650 km sind schon ziemlich weit. Naja ich werde die 650 km in 42 Tagen reiten, sprich also 1,5 Monaten; auch ganz schon lang, aber machbar. Das sind roundabout 15 km am Tag. Tja wenn man so auf den kleinesten Nenner runterbricht, scheint es so gar nicht mehr bedrohlich. Ach Quatsch, es ist überhaupt nicht bedrohlich, oder gar gefährlich, behaupte zumindest ich. Meine Ärzte sind da anderer Meinung, denn ich muss definitiv über die Alpen, also wenn ich es tatsächlich schaffe, dürft ihr alle hinterher Hannibalin zu mir sagen. Ich werde also mehrere Tage in der Höhe von mindestens 2500 üNN sein. Ob das meiner ohnehin desolaten Sauerstoffsättigung so gut tut, kann ich jetzt nicht sagen, aber wenn ich es nicht versuche, werde ich es nicht rausfinden können. Ich bin zuversichtlich, weil ich immer positiv denke und dieser Weg zum Gardasee ist eigentlich nur positiv, weil ich mir damit einen Traum erfülle.

Eigentlich wollte ich mit einem T4 Bulli zum Gardasee, aber irgendwie habe ich in den letzten Jahren zu diesem Thema immer die falschen Entscheidungen getroffen. Nun wurde „Hugo“ mein Bulli nach Hildesheim verkauft, die Hoffnung ihn zurück zu bekommen ist auch gestorben, was blieb ist meine Sehnsucht nach Italien.

Also nicht mehr mit dem Auto! Über Wochen hinweg rückte Italien immer weiter von mir weg. Irgendwie sah ich keinen Ausweg und als Italien fast gänzlich im Nebel zu verschwinden drohte und damit auch ein Stück meiner Zukunft, als mich Zukunftsängste packen wollten, da kam mir der rettende Gedanke: „Wenn nicht mit Hugo, dass eben mit einem Pferd!“

Dieser Gedanke war vom ersten Augenblick so konkret, dass ich nicht einmal realisierte, das ich kein Pferd hatte!

Es gibt Momente in meinem Leben, da hab ich so bekloppte Ideen, das ich es teils selbst nicht glauben kann, dass ich genau das gerade denke.

Vielleicht sollte ich genau an dieser Stelle nun berichten, dass mein aktueller gesundheitlicher Zustand …………na sagen wir nicht gerade zu sportlichen Hochleistungen, wie z.B. einen Ritt über die Alpen, geeignet ist…..man könnte auch sagen, wenn man nicht mehr als 200m zu Fuß schafft…..sollte man besser die Beine und die Kraft eines Pferdes nutzen, um sich fortzubewegen….smile….oder?

Und genau, das werde ich tun! Ich werde die Kraft, Energie und die Beweglichkeit eines Pferdes nutzen, um diesen Weg zu bewältigen.

Es ist nur ein Weg von A nach B, sprich von Pullman City Bayern, Eging am See bis zum Gardasee. Ok ich teile die Bedenken meiner Kritiker, es liegen die Alpen dazwischen, ABER …es ist und bleibt nur ein Weg!

Um diesen Weg bewältigen zu können, brauche ich Hilfe, alleine schaffe ich es nicht und wieder vertraue ich auf Menschen, die Pferde mögen, die Abenteuer toll finden, die meinen Mut bewundern, die sich Zeit für mich nehmen und mich ein Stück des Weges begleiten, mir eine Unterkunft geben, auf meinem Weg, die sich freuen mich kennenzulernen, die ich kennenlernen darf, ja die mich förmlich zum Gardasee tragen, mit ihrer Motivation, ihren Glauben, das man auch das Unmöglichste schaffen kann, wenn man es zusammen tut.

Ich glaube ganz fest daran, dass es genügend Menschen gibt,

die mir helfen werden, diesen Weg gehen zu können!

Winni 19.09.2021
19 Sep, 2021

42 Jahre Warten

Im August 2021 bin ich 60 Jahre alt geworden und wie es mit einem 60.jährigen Leben so ist, habe ich viel erlebt, bin viele Wege gegangen, an manchen Abzweigungen habe ich gezögert, manche Wege waren steinig und unendlich lang, andere waren friedvoll, nahezu langweilig, so als würde das Leben anhalten. Es gab fröhliche und ausgelassene Zeiten, traurige und sogar schmerzvolle Abschnitte. Zeiten in denen ich loslassen musste; aber auch Zeit in denen mir das Leben Geschenke machte.

Mit 18 war ich bereits das zweite Mal schwanger und mit 19 traf ich wohl eine der wichtigsten Entscheidung meines Lebens. Ich ging alleine nach Berlin und ich fand ein Zuhause. Noch heute empfinde ich es als ein Privileg hier in dieser großen Stadt leben zu dürfen. Berlin ist für mich mein Hafen, in dem man ankern kann, in der ich gerne bin.

In den letzten Jahren war ich viel und häufig unterwegs und so gerne ich mir die Welt ansehe, fremde Menschen kennenlerne, neue Orte erkunde, viel lieber aber komme ich nach Hause zurück…nach Berlin. Manchmal schon 600 km davor fand ich Hinweisschilder mit dem Namen von Berlin. Sie stehen überall in Deutschland, ja sogar überall in Europa, habe ich mir sagen lassen und jedes Mal bin ich stolz ein Teil dieser Stadt zu sein. Ja ich sehe fast ehrwürdig auf diese Schilder und in meinem Kopf laufen Bilder ab, ab diesem Tag im Sommer 1981, als ich zum ersten Mal über Dreilinden nach Berlin Steglitz rein fuhr. Hier beendete ich meine Ausbildung! Hier war ich weit weg von meiner kontrollierenden Mutter. Hier war ich zum ersten mal so richtig frei, in dieser Stadt, die eine Mauer um sich hatte, aber genau diese Mauer gab mir Schutz, damit ich meine Freiheit leben konnte.

Dann fiel sie im November 1989 und ich stand am Wegesrand im Wedding und weinte. Nicht aus Rührung, das die Menschen aus der DDR raus konnten, sondern weil mir klar war, dass nun meine persönliche Freiheit durch den Schutz der Mauer zu Ende war. Und so kam es.

Die Mauer wurde am 13.08.1961 gebaut. Ich wurde am 17.08.1961 geboren. Ich war 28 Jahre alt, als sie fiel! 9 Jahre lang gab sie mir Schutz und dafür bin ich sehr dankbar, denn in diesen 9 Jahre konnte ich heranreifen und fand Wege für mich meine eigenen Wege gehen zu können und Manipulationen frühzeitig erkennen zu können.

Noch heute denke ich an die Zeit nach der Mauer, die Stunde Null in Berlin. Nichts war wirklich geregelt. Es herrschte eine Goldgräberstimmung in dieser Stadt, vielleicht sogar in ganz Deutschland, aber in Berlin besonders und es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis sich alles etwas beruhigt hatte…das glaube ich zumindest, wenn ich so auf die Vergangenheit von Berlin schaue, die ja auch mit meiner Vergangenheit verflochten ist. Ja es gab eine Zeit, da musste ich gehen. Was jedoch blieb, war unendliches Heimweh…bis heute ist das so, selbst wenn ich nur die Avus runterfahre, um zum Wannsee zu fahren.

Wer jetzt glaubt ich bin aus der der DDR, der irrt. Ich bin ein waschechter Wessi und werde es immer bleiben, und ich bin stolz darauf von 1981-1989 ein Teil der Westberliner Bewohner gewesen zu sein, die stur und ohne Vorbehalte, ja nahezu mit Euphorie Westberlin mit ihrer Anwesenheit am Leben gehalten haben, mitten in einem fremden Land die Fahne hochgehalten zu haben, um diese Enklave von Deutschland nicht untergehen zu lassen. 28 Jahre lang waren es Westberliner, die ausgehalten haben…und bei Gott, wir hatten sehr viel Spaß daran…im kalten Krieg an der Front zu stehen!

Ich habe also einen Großteil meines Lebens in Berlin gelebt. Und obwohl ich Berlin über alle Maßen liebe, hatte ich immer auch den Traum mal nach Italien zu fahren. Irgendwie hatte es sich nie ergeben. Immer war irgendwas wichtiger und wenn ich ganz ehrlich bin, Fernweh hatte ich nie! Ich mag die Sprache Italiens. Für meine Ohren klingt sie wie schöne Balladen. In Berlin lebten viel Italiener und immer schaute ich mit Wehmut auf ihre Reisen, wenn sie im Herbst, nach einer langen gastronomischen Saison wieder nach Italien zurückkehrten. Aber ebenso freute ich mich auf den Tag im Frühjahr, wenn sie wieder zurück nach Berlin kamen.

Inzwischen sind 42 Jahre vergangen, ich bin 60. geworden und ich denke es wird Zeit, diese Reise nach Italien anzutreten. Wenn nicht jetzt, wann dann. Es sprechen einige Dinge dagegen, wieder einmal, aber diesmal werden mich auch die besten Argumente nicht zurückhalten können. Ich bin wild entschlossen mir den Gardasee anzusehen. An seinen Ufern zu stehen und Sonnenauf- und Untergänge in mich aufzusaugen. Ich will an vielen Küchentüren klopfen und die regionale Küchen schmecken. Im Klang der italienischen Sprache, die ich nicht verstehe, eintauchen und denken, wie schön es doch ist, sie zu hören. Ich will mit Ehrfurcht über italienischen Boden laufen, wohlwissend, das es nicht selbstverständlich ist, wenn man so lange darauf gewartet hat, es tun zu können und ich möchte eine Handvoll Erde vom Gardasee mit nach Hause nehmen um später dann von Zeit zu Zeit meine Nase reinstecken zu können und die Sonne, das Wasser, das Licht, die Sonnenaufgänge, die Sonnenuntergänge und das regionale Essen aus meiner Erinnerung hervorholen zu können, gerade so , als wäre ich noch dort.