keep on rolling

Mit 61 beginnt mein Leben

Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich musste 61 Jahre alt werden, damit ich endlich mal was für mich tun kann und wann und wie ich reisen will nun endlich durchführen kann.

Mit 17 (1978, Geburt 1979) bekam ich meine 1. Tochter, zwei Jahre später meine 2. Tochter. Es folgten 1991 mein Sohn, 1981 erneut eine Tochter und zum krönenden Abschluss 1999 meine Nesthäkchen. Roundabout also 20 Jahre lang immer wieder Geburten und wenn man die Erziehung der letzten Tochter mit hinzuzählt, dann war ich 38 Jahre mit Kindererziehung und natürlich auch mit deren Versorgung beschäftigt.

Es versteht sich somit von alleine, dass da wenig Zeit und Geld für mich selbst blieb. 2016 entdeckte ich dann doch tatsächlich mein eigenes Leben, wobei ich zu diesem Zeitpunkt nicht einfach die Kinder auf die Seite stellen konnte. Es war tatsächlich ein Abnabelungsprozess, der allen Beteiligten vieles abverlangte.

Nun also plane ich meinen 1. Freiheitstrip; losgelöst von allen Zwängen, denen man so im normalen Leben Leben unterliegt.

Konkret wurde es dann kurz vor Covid19, als ich beschloss 400 km mit einem Rollstuhl über die Alpen zu gehen. Und je länger es dauert, um so sehnsuchtsvoller wird dieser Wunsch. Es gibt kaum ein Video, Film oder Dokumentation, die ich über Norditalien und Südtirol nicht gesehen habe und immer beginne ich von innen heraus zu leuchten. Vorfreude scheint doch die schönste Freude zu sein!

Im August 2022 soll es losgehen; im August werde ich aber auch 61 Jahre alt. Als meine Planung begann, war ich im Vergleich zu heute noch relativ fit. Inzwischen sind ein paar gesundheitliche Probleme hinzu gekommen, aber ich sage mir, wenn nicht jetzt, wann dann?

Mein Rollstuhl ist ein ganz normaler eRollstuhl mit 6 km/h und eigentlich nur für Innenstädte geeignet. Da ich die finanziellen Mittel nicht aufgebracht habe, um mir einen Outdoor Rollstuhl zu zulegen, musste ich meine Planungen etwas ändern.

Seit Mai 2022 habe ich wieder ein Auto. Mein Renault Megane Grandtour tdi konnte ich günstig erwerben. So ein Schnäppchen hat natürlich seine Macken, die ich für 500 € in der Werkstatt meines Vertrauens beheben lassen konnte. Zusätzlich habe ich ihn noch etwas modifiziert, da er auf meiner Reise, für mich und Chewie unser Zuhause sein wird. In einem Heckzelt wird mein eRolli nachts auch trocken stehen und die aufblasbaren Matratzen für den Rücksitz mussten angeschafft werden. Eine übergroße Dachbox bietet Platz für allerlei Krempel, um sich unterwegs überwiegend selbst versorgen zu können.

Geplant sind 21 Tage. Übernachtungen werde ich hoffentlich auf Bauernhöfe oder unter Pferdemenschen finden, denn nur so wird mein Budget auch ausreichen, um Anfang September nach Berlin zurückzukehren.

Ich werde mir also einen tägliche neuen Stellplatz suchen und von dort aus die Umgebung erkunden, soweit mein eRolli die Wege auch bewältigen kann.

Außerdem werde ich meine Ausflüge posten, um anderen Rollstuhlfahrer praktisch den Weg zu ebenen und ihnen Mut zu machen, ebenfalls alleine solche Abenteuer anzugehen.

Es gibt einige Links von Communities, die auf Rollifahrer ausgerichtet sind; jedoch finde ich, dass deren getestete Wegstrecken immer nur die Hauptsehenswürdigkeiten beinhalten und wenig Strecken aufzeichnen, auf denen man auch schon mal an seine Grenzen stößt.

Da ich alleine, nur mit meinem Hund Chewie, unterwegs bin, sind meine Strecken vor allem für Rollifahrer*Innen geeignet, die auch mal Gegenden durchforsten möchten, die in keinem Reiseführer stehen.

Ich hoffe das ich in Zukunft noch ein paar mehr Touren mache und allen Rollifahrer*Innen es mir gleich tun und dafür meine Dokumentationen behilflich sein werden.

Also keep on rolling

400 km von Füssen zum Gardasee in 21 Tagen auf Wegen, die in keinem Reiseführer für Rollifahrer stehen! Man könnte auch auch sagen ich bin ein eRolliRebell!