Ein Rolli, ein Pferd und ein Hund

  1. kommt es anders, als man 2. denkt!

Das ist wohl die Überschrift von all den Ereignissen, die sich in den letzten Wochen, praktisch die Klinke in die Hand gegeben haben.

Begonnen hat es damit, dass ich von meinen Ärzten offenbart bekommen habe, dass wenn der aktuelle Krankheitsverlauf in dem aktuellen Tempo weiter geht, werde ich 2022 kaum noch selbstständig alleine laufen können.

Es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht gewusst. Schon vor über einem Jahr wurde ich darauf hingewiesen, dass die Schäden an meiner Muskulatur nicht mehr aufhaltbar sei. Nun gut, die Schmerzen sind deutlich schlimmer geworden, mein Herz, was ja auch nur ein Muskel ist, hat vor ca. 3 Monaten begonnen Faxen zu machen, meine tägliche Medikation wurde angepasst…aber ich bin ja auch ein Meister der Ignoranz und mit dieser Fähigkeit, kann man Tatsachen schrecklich gut ausblenden. Jetzt jedoch, vor ca. 3 Wochen, bekam ich es so richtig dicke und in klaren Worten vor den Latz geknallt. Ignoranz war nicht mehr!

Ich gebe zu, ich brauchte tatsächlich mehrere Tage, um mich wieder ein zu bekommen. Eine Panikattacke löste die nächste ab. Ich heute, war wütend, verzweifelt und durchlief so alle emotionellen Ebenen, die ein Mensch nur haben kann. Ich sah meine Mobilität, meine Eigenständigkeit, ja sogar meine Freiheit bedroht und drehte völlig am Rad!

Dann kam ich wieder zu mir, mein Kopf, der mehrere Tage völlig leer war, begann wieder zu arbeiten, aber bis heute sind Ängste geblieben; Verlustängste, Zukunftsängste…Lebensängste!

Ich sah eigentlich nur eine einzige Möglichkeit, um meine Zukunft zu retten. Ich musste einen Ort finden, bei Pferden, behinderten gerecht und eventuell mit der Möglichkeit dort auch mit Pferden weiter arbeiten zu können. Es gab keine Alternative, außer mit Pferden zu leben und zu arbeiten. Ich startete einen Aufruf und tatsächlich meldete sich eine junge Dame aus Sachsen. Schöner Mist, ausgerechnet Sachsen. Ich fuhr hin, sah mir alles an; die zukünftige Wohnung auf dem Reiterhof, die Umgebung, der See, das Konzept der Ranch, die Gegebenheiten und Möglichkeiten, alles super…aber dieses Paradies lag in Sachsen! Mein Kopf sagte mach es, mein Bauch sagte lass es!

Zurück in Berlin, begann ich zu recherchieren, über Sachsen, die Region nahe Polen, dem Ort insbesondere. Erforschte Infrastruktur und Wirtschaftsdaten…und und und!

Daneben holte ich Informationen über Elektrorollstühle ein, schrieb und telefonierte mit der Krankenkasse und unzähligen Produzenten von Rollstühlen.

Dann fuhr ich nach NRW, weil da eine recht vielversprechende Stute stand, was ich mir hätte sparen können und als ich wieder in Berlin angekommen war, erreichte mich eine Nachricht, von einem Züchter, den ich vor Monaten einmal angeschrieben hatte, weil er mehrere Quarter Horses hatte, die zum Verkauf standen und die alle roan waren. Ich stellte den Kontakt her und wir telefonierten … recht lange.

Ich konnte es kaum fassen, sollte ich nun tatsächlich noch ein Roan-Pferd bekommen. Bereits in den frühen 1990ig träumte ich von einem Blue-Roan-Pferd, vielleicht sogar noch mit Hancockabstammung, aber auf jeden Fall ein Valentine und nun war ich ziemlich nah dran!

Und bei aller Euphorie vergaß ich fast mein Handicap.