11 Nov, 2021

News ohne Breaking

Part one

Die neue Strecke über die Alpen bis zum Gardasee wird nicht mehr 900 km, sondern nur noch knapp 400 km lang sein und ich werde diese Strecke alleine gehen. Mein Team besteht aus einem Pferd und meinem Hund Chewie.

Boris mein weißer Schäferhund, wird mich wegen seines Alters nicht begleiten, wird aber, sollte er bis zum Start noch leben, im Begleitfahrzeug mitfahren, so dass wir ihn immer abends treffen und er mit uns übernachten kann.

Der Start wird definitiv von Friesenried aus sein. Sehr wohl werde ich kurzfristig noch entscheiden, ob ich mich vor meinem Abritt eine Woche lang im Pullman City Bayern aufhalten werde, um Fans und Unterstützer die Möglichkeit zu geben, mich meine Tiere und das Projekt an sich zu promoten.

Friesenried in Bayern liegt ziemlich abseits. Von dort aus kann ich in aller Ruhe den Start vorbereiten und auch das Pferd kann dort untergebracht werden.

Da ich nur ein relativ enges Zeitfenster habe, um schneefrei über die Alpen zu kommen, was dringend erforderlich ist, wird der Start wohl Mitte Juli sein. Dies würde bedeuten das ich ungefähr zu meinem Geburtstag, am 17.08. am Gardasee ankommen würde. Somit wäre ich ca. 31 Tage unterwegs. Rechnerisch ergibt sich damit eine Tagesstrecke von 12-15 km pro Tag. Ich denke dies ist realistisch, denn immerhin bin ich mit einem Rolli unterwegs und werde lediglich in Steigungen von meinem Pferd gezogen, um den Rolliantrieb zu schonen.

Outdoor Rolli der Firma Moos aus Merzig/Saarland moosistdas.de

Das Begleitfahrzeug wird entweder von meinem Dad Peter oder einem Schulfreund von mir Ralf gefahren. Im Begleitfahrzeug wird alles transportiert, was für die Übernachtungen notwendig ist, außerdem Heu und Futter für die Tiere. Das Begleitfahrzeug wird nicht hinter uns herfahren, sondern wird z.B. meinen Trigano Chantilly, ein Klappanhänger, in dem ich übernachten werde, aber auch den Pferdeanhänger, jeweils zu den Übernachtungsplätzen bringen.

Auf dem Packsattel

werde ich tatsächlich nur das mitnehmen, was ich für den aktuellen Tag benötige. Durch seine Konstruktion bietet dieser Packsattel mir aber auch die Möglichkeit, mich direkt, falls notwendig an das Pferd einzuhängen, um mich ziehen zu lassen

10 Nov, 2021

Ein Rolli, ein Pferd und ein Hund

  1. kommt es anders, als man 2. denkt!

Das ist wohl die Überschrift von all den Ereignissen, die sich in den letzten Wochen, praktisch die Klinke in die Hand gegeben haben.

Begonnen hat es damit, dass ich von meinen Ärzten offenbart bekommen habe, dass wenn der aktuelle Krankheitsverlauf in dem aktuellen Tempo weiter geht, werde ich 2022 kaum noch selbstständig alleine laufen können.

Es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht gewusst. Schon vor über einem Jahr wurde ich darauf hingewiesen, dass die Schäden an meiner Muskulatur nicht mehr aufhaltbar sei. Nun gut, die Schmerzen sind deutlich schlimmer geworden, mein Herz, was ja auch nur ein Muskel ist, hat vor ca. 3 Monaten begonnen Faxen zu machen, meine tägliche Medikation wurde angepasst…aber ich bin ja auch ein Meister der Ignoranz und mit dieser Fähigkeit, kann man Tatsachen schrecklich gut ausblenden. Jetzt jedoch, vor ca. 3 Wochen, bekam ich es so richtig dicke und in klaren Worten vor den Latz geknallt. Ignoranz war nicht mehr!

Ich gebe zu, ich brauchte tatsächlich mehrere Tage, um mich wieder ein zu bekommen. Eine Panikattacke löste die nächste ab. Ich heute, war wütend, verzweifelt und durchlief so alle emotionellen Ebenen, die ein Mensch nur haben kann. Ich sah meine Mobilität, meine Eigenständigkeit, ja sogar meine Freiheit bedroht und drehte völlig am Rad!

Dann kam ich wieder zu mir, mein Kopf, der mehrere Tage völlig leer war, begann wieder zu arbeiten, aber bis heute sind Ängste geblieben; Verlustängste, Zukunftsängste…Lebensängste!

Ich sah eigentlich nur eine einzige Möglichkeit, um meine Zukunft zu retten. Ich musste einen Ort finden, bei Pferden, behinderten gerecht und eventuell mit der Möglichkeit dort auch mit Pferden weiter arbeiten zu können. Es gab keine Alternative, außer mit Pferden zu leben und zu arbeiten. Ich startete einen Aufruf und tatsächlich meldete sich eine junge Dame aus Sachsen. Schöner Mist, ausgerechnet Sachsen. Ich fuhr hin, sah mir alles an; die zukünftige Wohnung auf dem Reiterhof, die Umgebung, der See, das Konzept der Ranch, die Gegebenheiten und Möglichkeiten, alles super…aber dieses Paradies lag in Sachsen! Mein Kopf sagte mach es, mein Bauch sagte lass es!

Zurück in Berlin, begann ich zu recherchieren, über Sachsen, die Region nahe Polen, dem Ort insbesondere. Erforschte Infrastruktur und Wirtschaftsdaten…und und und!

Daneben holte ich Informationen über Elektrorollstühle ein, schrieb und telefonierte mit der Krankenkasse und unzähligen Produzenten von Rollstühlen.

Dann fuhr ich nach NRW, weil da eine recht vielversprechende Stute stand, was ich mir hätte sparen können und als ich wieder in Berlin angekommen war, erreichte mich eine Nachricht, von einem Züchter, den ich vor Monaten einmal angeschrieben hatte, weil er mehrere Quarter Horses hatte, die zum Verkauf standen und die alle roan waren. Ich stellte den Kontakt her und wir telefonierten … recht lange.

Ich konnte es kaum fassen, sollte ich nun tatsächlich noch ein Roan-Pferd bekommen. Bereits in den frühen 1990ig träumte ich von einem Blue-Roan-Pferd, vielleicht sogar noch mit Hancockabstammung, aber auf jeden Fall ein Valentine und nun war ich ziemlich nah dran!

Und bei aller Euphorie vergaß ich fast mein Handicap.

8 Nov, 2021

Lona 1993

TNT Lona wild one, eine PaintStute, so wild und explosiv wie ihr Name, aber mit mir immer umgänglich, ja nahezu liebevoll.

Sie wurde als Tochter einer Leitstute in Oregon geboren und übernahm mit nicht einmal 8 Monaten eine Jungpferdeherde, die alle in demselben Jahr geboren waren wie sie selbst. 8 Monate lang hatte ihre Mutter sie gelehrt, was sie können musste, um eine Herde führen zu können.

Mit knapp 2 Jahren kam sie nach Deutschland zu mir und weitere 2 Jahre später ritt ich sie. Eigentlich ist dieser Satz falsch. Mit etwas über 3 Jahren trug sie mich…ja das kommt eher hin!

Ohne Anritt, ohne Firlefanz, stieg ich an einem sonnigen Frühlingstag einfach mal auf sie, nur so um mal zu fühlen, wie es sich anfühlt und Lona setzte sich in Bewegung, als hätte es nie was anderes gegeben, den geteerten Wirtschaftsweg entlang, immer weiter von unserem Haus und ihren Weiden entfernt, bis in den nahen Wald, der sich wie eine Schlange bis ins Saarland zog. Ich erinnere mich noch an mein glückliches Gefühl, als Lona auf dem ersten Metern im Wald angaloppierte und in einer völligen Versammlung, nahezu auf der Stelle gallopierte, um dann fast im Einerwechsel in völliger Gelassenheit sie sich ihren Weg durch den Wald bannte.

Unser erster Ausritt war das tollste was ich je mit einem Pferd erlebt habe. Nicht einen Bruchteil einer Sekunde hatte ich das Gefühl, das dieser erste Ritt in einem Drama enden würde. Lona gab mir soviel Vertrauen und Sicherheit an diesem Tag und das Gefühl ich könne nach 28 Jahren klassischen Reiten Westernreiten. Unser erster gemeinsamer Ritt war als hätten wir gemeinsam schon 5000 Meilen zurückgelegt und mir wurde klar, dass ich Lonas Potential niemals ausreiten werden können, aber das wollte ich auch nie. Ich wusste Lona bringt mich immer wieder sicher nach Hause, denn sie kannte den Weg dazu und nicht nur die Geografie.

Lona Mutter, diese großartige Leitstute war beidseitig Hancock gezogen und als ich das verstand, was es auch für Lona bedeutete, sah ich sie mit ganz anderen Augen und mit der Liebe zu Lona, wuchs Monat für Monat die Leidenschaft für diese Quarter Horses Linie. Es gibt Pferde! Es gibt Quarter und es gibt Hancocks und die spielen in einer ganz anderen Liga!

Übrigens! Adios Amigos, Paint, No 1525 war ein Hancock!

https://www.allbreedpedigree.com/adios+amigos

8 Nov, 2021

Denke und dein Pferd wird dir antworten

Es ist der helle Wahnsinn, was alles für Kurse, Workshops und Therapien für Pferde oder sollte ich besser sagen, für deren Besitzer angeboten werden.

Da werden z.B. online Erziehungskurse angeboten für traumatisierte Pferde. Der Kursleiter bekommt das Pferd nicht Mal persönlich zu sehen und der will einem Pferd seine Trauma nehmen? Ich finde es fragwürdig und ähnlich wie Esoterik in vielen Fällen eher Bauernfänger, als ernsthaftes Erlernen mit seinem Pferd zurecht zu kommen.

In den meisten Fällen geht es gar nicht um das Pferd, sondern nur darum den Besitzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gestern habe ich ein Angebot für 139€ gelesen, da wurde eine Challenge angeboten, 4 Wochen intensive Begleitung und Beratung, online, um zu lernen wie das eigene Pferd tickt!

ich bin immer wieder erstaunt darüber, das solche Angebote überhaupt Interesse erwecken und je abgedrehte die Angebote sind, umso gefragter sind sie!

Ich weiß das es HelicopterEltern gibt, aber scheinbar gibt es auch HelicopterPferdebesitzer.

Wie viele inzwischen wissen, suche ich aktuell ein Pferd für mich! Was ich alles inzwischen zu Gesicht bekommen habe, kann ich alles gar nicht in Worte packen. Die Heiligsprechung der Verkaufspferde ist zu einem wahren Sündenpfuhl der Unmöglichkeiten geworden und wer da nicht die Feinheiten zwischen den Zeilen lesen kann, wird zwangsläufig vorgeführt.

Der Kauf eines Pferdes beginnt lange bevor man tatsächlich einen Kaufvertrag unterschreibt. Man fährt 1000de von Kilometern, um ein Pferd zu treffen, nimmt sich Zeit, übernachtet noch irgendwo, um am folgenden Tag nochmals hin zu gehen, ja man investiert Zeit und Geld, um das passende Pferd zu finden.

Pferdesuche… Pferdekauf

Ich finde es ganz schrecklich, wieviel Pferde zum Verkauf stehen und ich frage schon lange nicht mehr nach den Gründen.

Pferde sind hochsensible Lebewesen, die Seele haben. Durchschnittlich wechselt ein Pferd in Deutschland, während seines Lebens 5 mal den Besitzer. Hinter dieser Tatsache frage ich mich was in den Pferdeköpfen vorgehen muss.

Und da wären wir genau an dem Punkt…wie ticken Pferde? Was denken sie? Wie denken sie? Welche Funktionen laufen tatsächlich in so einem Pferdekopf ab?

Inzwischen gibt es gute wissenschaftliche Studien darüber, die auch ein Laie gut verstehen kann, wenn er sich denn die Mühe macht, sie mal zu lesen.

Als Säugetier hat ein Pferd einen ähnlichen Gehirnaufbau wie ein Mensch, mit einer linken und einer rechten Gehirnhälfte, nur viel kleiner, aber deshalb nicht weniger leistungsfähig. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied. Die Vernetzung der beiden Gehirnhälften ist beim Menschen um ein Vielfaches dichter und enger mit Nervenbahnen verflochten. Der Austausch zwischen rechts und links geschieht sehr viel schneller, beim Menschen und kann so auch komplexere Prozesse bewältigen.

Beim Pferd geschieht der Austausch von rechter und linker Gehirnhälfte eher ruhiger, langsamer aber Pferde können kleinste Veränderungen der menschlichen Gestik lesen. Bestimmt hat jeder schon mal von Menschen gehört, die kaum sichtbare, teils unbewusste Veränderungen im menschlichen Gesichtern lesen können. Genau das können Pferde auch, aber nicht nur in unseren Gesichtern, sondern alle unsere Gestiken unseres Körpers. Damit werden sie zu wahren Hellseher und lesen auch unsere Absichten, die Guten, aber auch die Schlechten! Dies bedeutet: Pferde können in dem Augenblick unsere Absichten lesen, wenn wir es nur gedacht haben, weil der menschliche Körper, unbewusst, sich verändert, wenn wir denken.

Diese unbewussten Veränderungen unseres Körpers können aber auch bewusst durchgeführt werden. Babies kommunizieren auf diese Weise mit der Bezugsperson vom ersten Augenblick an. Mütter können meist die Gestik ihre Babies lesen und Babies lesen in den Gesichtern ihrer Bezugspersonen wie in einem offenen Buch.

Wer sich bisher die Frage gestellt hat, warum Kinder oft mit Pferden ein sehr entspanntes Miteinander und oft inniges Verhältnis haben, findet die Antwort in der Körpersprache der beiden Lebewesen. Mit der Pupertät verliert der Mensch diese Fähigkeit und als erwachsener Pferdebesitzer muss man es ganz neu lernen.

Wer das verstanden hat, als Pferdebesitzer, wird beim nächsten Stallbesuch einen ganz anderen Blick auf sein Pferd werfen, garantiert!