Wer bin ich?

…manchmal weiß ich es selbst nicht so richtig!

Was wahrscheinlich daran liegt, dass mir nie jemand gesagt hat, wer ich bin. Meine Herkunft ist fragwürdig; fest steht ich bin ein Besatzungskind. Meine Mutter machte mich bis zu meinem 42. Lebenjahr für ihr Leid verantwortlich, dann habe ich diese Beziehung Mutter/Kind sehr freundlich beendet. Nach 18 Jahren Schweigen ist meine Mutter am 8.3.2020 im Alter von 92 Jahren gestorben. Obwohl ich sie unentwegt vermisst habe, empfand ich nicht einmal Trauer als ich es aus Facebook erfahren habe. Ich warte immer noch darauf, das ich irgendwie ergriffen bin.

Fangen wir mit den Fakten an. In meiner Geburtsurkunde steht, dass ich am 17.08.1961 in Mittelhessen geboren wurde. Solange meine Oma mütterlicherseits lebte, hatte ich eine glückliche Kindheit. Nach deren Tod 1973 war ich den Attacken meiner Mutter hilflos ausgesetzt, aber da ich es nicht anders kannte, habe ich mich auch nie darüber beschwert. Dann aber, im Alter von 42 Jahren, sagte meine Mutter mir einen Satz, den sie schon einmal losgelassen hatte, als ich 12 Jahre alt war. Er lautete:“Für mich hast du keine Lebensberechtigung!“ Mit 12 habe ich ihn nicht verstanden. Mit 42 Jahren schon und ich zog die Konsequenz daraus und beendete das Drama, welches mir dann auch erst in voller Bandbreite bewusst wurde.

Meine ersten beiden Kinder bekam ich mit 17 und 19 Jahren. Zehn Jahre später folgten Kind 3 und 4 und weitere 6 Jahre später kam mein Nesthäkchen zur Welt. Zwischen dem 1. und der 5. Kind liegen also 20 Jahre. Kein Wunder das ich nie in Urlaub an den Gardasee fahren konnte, denn die Kinder kommen ja nicht auf die Welt und gehen kurze Zeit später aus dem Haus. Zwischen 1979 und 2014 habe ich also meine Kinder großgezogen. Ginge es nach der Rentenversicherung, respektive nach dem Gesetz der Erwerbsminderungsrente, habe ich nur geringfügige Lebensleistungen erbracht, die man in Punkte umrechnen kann. Die Wahrheit sieht jedoch etwas anders aus und ich selbst glaube, das ich sehr wohl eine Lebensleistung erbracht habe, die mir jedoch nicht angerechnet wird….jetzt wo ich alt und krank bin, weil über 32 Jahre lang habe ich auch immer selbstständig gearbeitet. Selbst & ständig, anders wäre es auch gar nicht gegangen mit Kindern im Haus und Vätern, die zum größten Teil ihrer Verpflichtungen nicht nachgekommen sind.

Egal…machen wir mal einen großen Satz in die Gegenwart. Die Kinder sind aus dem Haus, mein Einkaufswagen bei Lidl, Netto, Aldi wurde auch entlastet und nach anfänglichen Problemen, vor allem mit mir selbst, habe ich tatsächlichen für mich einen Weg gefunden, auf dem ich nicht vor Langeweile in Trübsal verfallen. Ich musste, so alleine und von allen Kindern verlassen (smile), neue Horizonte suchen und was soll ich euch sagen, ich habe sie gefunden und sie machen sogar Spaß!

Natürlich spielt bei all dem meine gesundheitliche Situation eine wesentlich Rolle. Kurze Auflistung:

COPD und ja ich rauche noch und werde auch nicht damit aufhören, denn meiner Meinung nach ist aufhören dämlicher als weiterrauchen, zumal das Kind ja bereits in den Brunnen gefallen ist und warum soll ich mich nun auch noch durch einen Entzug quälen, wenn es auch anders geht!

Konstante Sauerstoffsättigung von zwischen 85-87%, Sauerstoffunterversorgung der Muskeln und ich habe habe gelernt … man höre und staune … mein Herz ist auch nur ein Muskel und seit gut einem 3/4 Jahr beginnt es auch schon mal zu stolpern!

Diabetes Typ 2 und … und … und

Ich schreib den Mist meiner Krankheiten nicht gerne. Eigentlich ist es ja auch egal, welche Krankheiten nun genau mich zur Strecke bringen. Im Grunde genommen habe ich mein Leben gelebt und auch wenn ich heute um einiges klüger bin, ich würde es genauso und nicht anders wieder machen … weil auch viel Freude dabei war!

Da ich auch keinen kenne, der das Leben jemals überlebt hat, denke das sogar Jesus selbst gescheitet ist, ist es für mich keine Option nun mit aller Gewalt am Leben zu bleiben. Für mich ist es wichtig, dass ich solange ich noch irgendwie krauchen kann, mein Leben mit sinnvollen Aktivitäten fülle. Und mir meinen Traum zu erfüllen und zum Gardasee zu gehen/fahren/reiten ist für mich eine sinnvolle Aktivität, weil ……. die Vorbereitungen und auch die Vorfreude während der Vorbereitungen etwas Bejahrendes hat.