Ich glaube ein Pferd sucht mich schon…

…weil es mich für seinen passenden Menschen hält!

Es wird mich finden!

Wenn ich mal genau in meine Vergangenheit schaue, war es oft so, dass mich Hunde und Pferde immer gefunden habe und ich genau mit diesen Tieren einen langen gemeinsamen Weg gehen durfte.

Zum ersten mal war das so mit Tommy, ein Foxterrier. Ich war 6 oder 7 Jahre alt und wünschte mir einen Hund. Meine Mutter war dagegen, aber dann kam unser Tierarzt und brachte Tommy, den er aus einem verkommenen Haushalt geholt hatte. Tommy war von oben bis unten von einer dicken Kruste bedeckt und als wir diese Kruste mit warmen Wasser endlich gelöst bekamen und sie Stück für Stück auf den Fußboden legten, liefen die Krusten los. Als wir sie umdrehten, sahen wir nur Beine, von Flöhen, Läusen, was weiß ich, was alles noch da lebte.

Als Thommy gänzlich befreit war von seiner Plage, schlief er eine Woche lang, nahezu ununterbrochen. Es dauerte Monate, bis er wieder Fell hatte. Tommy war mein erster eigener Hund und er begleitete mich überall hin. Ich wuchs in einem Dorf in Mittelhessen auf und meine 1. Schule war eine Dorfschule mit einer sehr großen Eiche im Schulhof. Dort saß Tommy immer und wartete bis die Glocke läutete und wir Schulende hatten. Ich glaube Tommy hatte nicht mal eine Leine. Das feste Band zwischen uns reichte aus. Wir wurden zusammen verschüttet, als wir uns eine Höhle bauen wollten im nahen Wald und weder Tommy noch ich an Stützbalken dachten.

Auf ihn war immer Verlass, wenn ich auf der Obstwiese der Gemeinde Obst klauen wollte und er frühzeitig durch leises Knurren signalisierte, das der Dorfbürgermeister auf dem Weg war.

Er saß mit mir stundenlang auf der obersten Stufe derTreppe, die zum Keller hinab führte, wenn meine Mutter uns mal wieder bestrafen wollte. Es war ein Naturkeller und unten sah ich immer die Mäuse von einer Ecke in die andere huschen. Es roch immer etwas moderig, da auf der obersten Stufe der Kellertreppe und ich glaube fest daran, dass Tommy meine Angst spüren konnte, denn immer dann drückte er sich fester an mich und signalisierte mir, ich bin da! Tommy und ich hatten keine sehr lange Zeit zusammen, aber er war für mich mehr als nur ein Hund, er mein mein bester Freund!

Nach Tommy gab es noch ein paar Tiere, die mich auf komischen Wegen gefunden haben. Ich denke da an Bankart, ein Schäferhund-Mischling. Er wurde bei uns am 1.Weihnachtsfeiertag im Wohnzimmer geboren und mein damaliger Freund, späterer Mann, trat aus Versehen auf sein Bein, so dass es gebrochen war. Ich trug ihn über Wochen in einer Babytrage mit mir rum und er wurde ein richtig Guter, nachdem ich mir viel Mühe gegeben hatte, um ihn zu bändigen. Ein sehr charakterstarker Hund, der ab seiner Geburt 16 Jahre lang jeden Weg, im Auto, per Pferd oder auch zu Fuß, mit mir gegangen ist. Bankart war ein Freigeist und bis zum Schluss auch gerne mal alleine unterwegs. Er fand immer seinen Weg zu mir zurück!

Und dann war da Amigo, ein dreifarbiges Hengstfohlen, den keiner haben wollte, weil er ein Sohn von El Paso war, der zu der Zeit von Amigos Geburt schon nicht mehr händelbar war. Alle Söhne von El Paso wurden deshalb frühzeitig zu Wallachen gemacht. Ich fand Amigo irgendwie alleine auf der Weide rumstehen und nahm ihn mit nach Hause. Auf der Indian Heart Ranch wuchs er groß. Eingetragen wurde er als El Amigo H. H stand für Heidelore oder Heart. Ich ließ in kören und auch seine Hengstprüfung bestand er. Er wurde ein Stempelhengst. Ich habe ihn selbst angeritten und er wurde sehr gut von mir erzogen. Highlight mit ihm war eine Hengstpräsentation zusammen mit seinem Sohn „Jesse James“ nach dem Song von Cher „Just like Jesse James“

Aber auch Lona fand mich, meine Stute, auch sie wollte niemand, bzw. bei Ihr war es eigentlich eher so, das Lona niemanden wollte. Eine Paint Horse Stute mit Hancock Abstammung, sehr hengstig! Sie lehrte mich Westernreiten! Mit ihr lernte ich das Gefühl der Freiheit auf einem Pferderücken kennen. Sie schenkte mir ihr Vertrauen; das Größte was sie mir geben konnte und ich liebte sie dafür und experimentierte nie an ihr rum. Westernreiten nach Schulbuch gab es mit ihr nicht. Ich ließ sie immer gewähren, weil ich wusste, sie bringt mich heil nach Hause zurück!

So fand mich auch Yankey aber vor allem auch Boris, beides weiße Schäferhunde. Boris geht nun schon sehr lange neben mir. Inzwischen ist er 12 Jahre alt, hört nicht mehr richtig, sieht nicht mehr alles, aber seine Nase funktioniert noch. Er ist der beste weiße Schäferhund, den ich je hatte. Ein Hund, der in sich ruht, auf den ich mich immer verlassen konnte, ähnlich wie damals auf Tommy & Bankart, denen es immer völlig wurscht war, wohin wir gingen, Hauptsache ich war in ihrer Nähe. Boris Herz schlägt glaub ich nur für mich. Er kam auf diese Welt, um mein Freund zu sein, mich zu trösten, wenn meine Seele mal wieder schrie, mit mir zu toben, wenn ich glückliche Momente hatte. Mit mir ins Wasser zu springen, obwohl er nichts mehr hasst wie Wasser…Boris hat für mich viele Male seine eigenen Grenzen überschritten. Jetzt ist er alt und ich bin dankbar für jeden Tag, den er bei mir ist. Ich weiß das es nicht mehr viele sein werden und obwohl er kuscheln ebenso hasst wie Wasser, gibt er mir auch jetzt noch diese Zeit, weil er spürt, dass ich Abschied nehmen muss!

Wenn je ein Hund meine Seele berührt hat, dann war es Boris!

Und weil ich all diese Zeiten mit wunderbaren Tiere verbringen durfte, die mich gefunden haben, weil wir zusammen etwas füreinander tun konnten, glaube ich auch jetzt, dass es bereits ein Pferd gibt, welches mich sucht. Es wird mich finden, zu genau dem richtigen Zeitpunkt, um mich zum Gardasee zu tragen. Ich mach mir keine Sorgen, weil es jetzt noch nicht da ist. Es wird kommen und wir werden eine tolle Zeit, über die Reise hinaus haben. Und wenn es mich nicht bis zur Abreise finden sollte, dann ist einfach noch nicht die Zeit dafür da; dann muss ich wohl warten, bis es mich gefunden hat und bis es soweit ist, muss ich zusehen, dass ich fit genug bleibe, um dann die Reise mit ihm machen zu können.

Der Hund, der mich auf meinem Weg zum Gardasee begleiten wird, heißt Chewie! Er ist der Sohn von Yohda, den meine Tochter bei mir vergessen hat. Chewie wurde am 17.01.2021 geboren. Ich habe ihn selbst auf dieser Welt in Empfang genommen, ihn auf meine Brust gelegt und ihm gesagt, dass sein Leben eng mit meinem verknüpft ist. Mit 8 Wochen habe ich ihn dann endgültig zu mir geholt und aus dem niedlichen Welpen wurde …. ein Dackel mit zwei sehr sehr krummen Beinen.

Chewie ist nicht wirklich hübsch, aber ein Hund genau nach meinem Geschmack. Er ist selbstbewusst, absolut solidarisch, fresch, manchmal sogar dreist, völlig angstfrei, neugierig und vor allem erkennt er mich, trotz Dackelcharakter, als seinen Oberhäuptling an. Sein Vertrauen, auch jetzt schon, mir gegenüber ist grenzenlos und dennoch ist er ein selbstdenkendes Wesen, was mich in den vergangenen 8 Monaten mehr als einmal zum Erstaunen gebracht hat, mehr noch…zum lächeln, und zum weinen verleitet hat. Mit ihm kam ein Stückchen Zukunft in mein Leben zurück, die ich in den Monaten zuvor irgendwie verloren hatte.

Eigentlich sind kleine Welpen Tag und Nacht aktiv, Chewie aber schläft, wenn ich schlafe, arbeitet mit mir, meist starrt er dann unentwegt auf den Bildschirm meines PCs, verfolgt die Maus auf dem Desktop und manchmal, wenn ich Mal wieder mit mir selbst spreche, schaut er mich fragend an und ich glaube zu wissen, das er mich irgendwie durchschaut. Alle seine Entscheidungen trifft er selbstständig und alleine und tatsächlich gab es nur ganz wenige Momente in den letzten 7 Monaten, in denen ich an Chewie gezweifelt habe.

So schwer es mir auch fällt Boris gehen zu lassen, es gibt einen würdigen Nachfolger und Chewie wird mir helfen Boris Verlust mit Würde zu tragen!