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Selbstbestimmt….

nie war dieses Wort, dieser Begriff so präsent wie heute. Ich bin 60, in wenigen Wochen steht hinter der 6 eine 1 und meine Planung zum Gardasee zu gehen laufen auf vollen Hochtouren und wie immer gehe ich volles Risiko.

All meine vorherigen Planungen sind gescheitert und selbst jetzt, wo ich mich auf die minimalste Art der Reise entschieden habe, steht alles noch in den Sternen.

Nur eines steht fest; meine Sehnsucht nach Südtirol, nach Italien ist größer als je zuvor; so als würde ich wie mit einem Magneten angezogen werden. Es ist egal, auf welche Art und Weise ich dieses Abenteuer durchführen werde…ich werde es selbstbestimmt durchführen. Und ich werde es alleine schaffen! Mein letztes großes Abenteuer!

Pullman City Harz 2019

Mein ganzes Leben lang wurde ich gezwungen selbstbestimmt zu handeln, ohne je darüber nachgedacht zu haben, was es bedeutet. Um mich herum waren keine Menschen, die mir Hilfe angeboten haben, die mich auch in schwierigen Zeit ein Stück hindurch getragen haben. Es gab keine Menschen, die mich haben wollten. Ich war immer gezwungen meine Wege und meine Entscheidungen selbst zu treffen und dann auch zu gehen. Und ich bin sie gegangen. Meist für andere, genau für die Menschen, in die ich all meine Hoffnungen setzte, meine Kinder, aber das Schicksal hatte andere Pläne.

Heute sind meine Kinder alle aus dem Haus und so wie meine Mutter mich schon nicht wollte und mich für ihren eigenen Weg verantwortlich machte, so setzt es sich jetzt fort, sozusagen in 2. Generation, das meine Kinder mich für ihr eigenes Leben verantwortlich machen. Keiner von diesen Menschen denkt auch nur im entferntesten daran, sein Leben selbstbestimmt gestalten zu können. In den vergangenen 20 Jahren haben all die Menschen mehr oder weniger selbstbestimmt Entscheidungen gegen mich getroffen, um mich dann nach und nach aus ihrem Leben zu entfernen. Und ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss ich heute durch deren Schweigen und Ignoranz mir gegenüber ertragen, keine Rolle in ihrem Leben zu spielen.

Es ist wie ein Oper ohne Happyend. Inszeniert von meiner Mutter, die das Drehbuch dazu geschrieben hat, von Peter, der zusammen mit seiner Tante Regie geführt hat und all meinen Kindern, denen ich wohl nie genügend Selbstvertrauen mitgegeben haben, um Dinge auch mal zu hinterfragen, damit sie ihre eigene Meinungen auch vertreten können. Meine Kinder sind wie die Schauspieler in diesem Theaterstück, die stillschweigend ihren Text herunterleiern, ohne zu hinterfragen, ob genau dieser Text an dieser Stelle wirklich Sinn macht.

Ich kenne niemanden, der fehlerfrei durch Leben geht. Ich jedoch traf ein Leben lang auf Menschen, die jegliche Regeln der sozialen Selbstverantwortung außer Acht gelassen haben.

Wie bei den Ureinwohnern der USA, die seit 1830, verfolgt, vertrieben und versucht wurde sie auszulöschen, so empfinde ich es auch. Ich fühle mich den Blackfeet Nation sehr nahe und kämpfe, wie sie, um Anerkennung und Respekt und das alles nur, weil wohl alle meine Entscheidungen im Leben in keine europäische Kiste passten.

Reiter-Skulpturen aus Schrott an der Einfahrt ins Reservat bei East Glacier, rechts die Flagge der Blackfeet Nation

Bin ich deshalb weniger liebenswert? Meine Kinder sagen ja, weil man es ihnen sagte!

An dieser Stelle stellt sich mir die Frage: Wie werden, auf langer Sicht, die Menschen in deren Umgebung reagieren, denn in dem Blut meiner Kinder sind meine Gene enthalten. Werden sie auch eines Tages auf ihr Leben zurückblicken und wie ich heute auf Menschen stoßen, die ihnen ihre Selbstbestimmtheit zum Vorwurf machen, oder werden Sie den Teufelskreis durchbrechen, ihre Herkunft bis zu ihrem Tod verleugnen und damit verhindern ihre Selbstbestimmtheit gegen Angepasstheit zu tauschen?

Selbstbestimmt zu leben heißt auch an an die eigenen Grenzen zu stoßen und immer wieder abwägen zu müssen, wohin der eigene Weg führen soll. Ohne Verluste geht es nicht und es geht auch nicht ohne Menschen, die hinter die Kulissen schauen und genau das gut finden. Mehr als 90% der Menschen, die einem im Leben begegnen, werden es nicht verstehen und einem alleine lassen. Sie schaffen es einfach nicht von der Vergangenheit in die Gegenwart mit einem zu gehen, denn um diesen Weg mit einem gehen zu können, müssten sie sich frei machen von den Manipulationen anderer und auf ihr eigenes Urteil vertrauen. Es ist viel einfacher, ohne Rückfragen, mit dem großen Strom zu schwimmen, als selbstbestimmt, am Rande der Ströme, zu gehen und damit jeder Zeit die Möglichkeit zu haben, mal inne zu halten, zu hinterfragen ob der Weg der Richtige ist oder auch eine andere Richtung einschlagen zu können.

Ich werde den Weg zum Gardasee gehen. Wie immer selbstbestimmt und ohne die Hilfe Dritter, dafür aber wahrscheinlich mit viel Spaß und Selbstzufriedenheit, weil kaum was erfrischender ist, als ein kaum unmögliches Ziel am Ende erreicht zu haben. Und der Weg wird all das enthalten wo über das ich vorweg geschrieben habe und vielleicht werde ich zu neuen Erkenntnissen kommen, vielleicht werden sich neue Wege eröffnen und vielleicht werde ich auf Menschen treffen, die meine Selbstbestimmtheit nicht als sozialen Regelverstoß sehen, sondern als Bereicherung für ihr eigenes Leben.

Wieder einmal werde ich meine eigenen Grenzen überschreiten und ich werde an irgendeinem Tag im August 2022 am Gardasee stehen, aufs Wasser blicken, zurückdenken an den sehr langen Weg, der in den 1990ig begann, und nun an dieser Stelle endet; an all die Widrigkeiten denken auf diesem Weg, an alle Verluste die ich dafür hinnehmen musste, an all die Menschen, die ich gehen lassen musste und die nicht zurückkamen.

Aber dann wird sich auch ein Gefühl in meinem Inneren breit machen, was mich durchfließen wird und welches Stolz und Ehrfurcht beinhalten wird, das ich es geschafft habe. Dass ich mich getraut habe und es geschafft habe … selbstbestimmt!

Ich würde mir wünschen, dass ich mit bereits verloren geglaubte Menschen meine Freude darüber, es geschafft zu haben, teilen könnte, aber dieser Wunsch liegt nicht in meiner Hand; er liegt in den Händen all Jener, die sich über ihre eigene Selbstbestimmtheit noch Gedanken machen müssen.